„Nicht genug Kraft“: Experten: In Nordsee gebrachter Wal ist wahrscheinlich tot


„Nicht genug Kraft“Experten: In Nordsee gebrachter Wal ist wahrscheinlich tot

Dieses-von-der-Rettungsinitiative-zur-Verfuegung-gestellte-Foto-zeigt-den-Buckelwal-in-einem-gefluteten-Lastschiff-in-der-Ostsee-Der-aus-einer-flachen-Bucht-vor-Wismar-geborgene-Buckelwal-wird-in-Richtung-Nordsee-transportiert-Der-Meeressaeuger-hatte-zuvor-vier-Wochen-in-der-Bucht-der-Insel-Poel-festgesteckt
Da lebte er noch: Der Buckelwal wurde in einem gefluteten Lastschiff in Richtung Nordsee transportiert. (Foto: picture alliance/dpa/Rettungsinitiative)

Über vier Wochen steckt ein Buckelwal in der Bucht der Ostseeinsel Poel fest. Dann wird der Meeressäuger in einer aufwendigen Aktion in die Nordsee verfrachtet. Ob es für ihn wirklich ein Happy End gibt, ist unklar. Die Experten vom Deutschen Meeresmuseum glauben nicht daran.

Der nach einer wochenlangen Odyssee und mehrfachen Strandungen an der Ostseeküste von einer privaten Initiative in die Nordsee gebrachte Buckelwal ist nach Einschätzung von Experten wahrscheinlich tot. Es sei davon auszugehen, dass das extrem geschwächte Tier „nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt“, teilte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund mit.

Unabhängig verifizierbare Informationen über den Aufenthaltsort und den Gesundheitszustand des Tiers lägen seit der letzten nachweislichen Sichtung per Drohne am vergangenen Samstag nicht mehr vor, führt das Museum weiter aus. Für den Nachweis der erfolgreichen Rettung sei es „essenziell“, dass die Privatinitiative genaue Informationen zu dem angeblich an dem Wal angebrachten GPS-Tracker sowie sämtliche Roh- und Livedaten des Ortungsgeräts mit einer unabhängigen Organisation teile, so die Experten.

Experten des Meeresmuseums waren über Wochen in die Rettungsbemühungen für den Wal eingebunden. Gemeinsam mit anderen Fachleuten unter anderem von Umweltschutzorganisationen kamen sie vor etwa einem Monat zu dem Schluss, dass dem schwer angeschlagenen Tier nicht mehr zu helfen sei und alle weiteren Hilfsversuche unterbleiben sollten. Am späteren Transport durch die von Unternehmern finanzierte Initiative war das Museum nicht beteiligt. Viele Experten kritisierten die Aktion.

Die Privatinitiative hatte den etwa zwölf Meter langen jungen Wal am vergangenen Dienstag vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern nach tagelangen Vorbereitungen in einen wassergefüllten Lastkahn bugsiert und mit einem Schleppverband aus der Ostsee bis zur Nordspitze von Dänemark transportiert. Dort wurde das Tier am Samstag unter nicht genau bekannten Umständen auf hoher See freigesetzt. Vertreter der Initiative machten der Schiffsbesatzung danach schwere Vorwürfe.

Experten bezweifeln Angaben der Initiative

Die Initiative berichtete anschließend von Signalen eines an dem Wal angebrachten Peilsenders, der allerdings nur eingeschränkt funktioniere und keine Positionsdaten übertrage. Zugleich war dabei die Rede von Vitalwerten des Tiers. Experten äußerten Zweifel – unter anderem, weil GPS-Tracker üblicherweise keine derartigen Vitalwerte erfassen könnten.

Das Meeresmuseum forderte die Privatinitiative ebenfalls zur Aufklärung auf. Unabhängig überprüfbare Erkenntnisse zum Verbleib des Wals seien zur Aufarbeitung des Falls von großer Bedeutung. Es gehe auch um den Umgang mit etwaigen künftigen Lebendstrandungen von Walen, eine Klärung liege im „wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse“.

Meeresmuseum angefeindet

Zugleich verwies das Museum auf den „extrem geschwächten Zustand“ des Tiers, das am 3. März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden war und danach wochenlang vor der Ostseeküste umherirrte. Es verfing sich im Fischernetzen und strandete trotz Rettungsversuchen wiederholt kurz hintereinander. Dies gilt laut Experten als sicheres Zeichen für massive Probleme. Sie zweifeln deshalb an der Überlebensfähigkeit des Wals. Es sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ davon auszugeben, dass der Wal tot sei, erklärten die Experten.

Das Deutsche Meeresmuseum selbst hatte sich in der Vergangenheit Anfeindungen von selbsternannten Sympathisanten des Wals ausgesetzt gesehen. Das Schicksal des Tiers sorgt seit Wochen für extrem emotionale Debatten, eine Unterstützerszene machte den Behörden und Experten immer wieder Vorwürfe. Auch die Privatinitiative kritisierte diese, machte zugleich aber auch durch interne Querelen von sich reden.

Quelle: ntv.de, gut/AFP



Source link

Ähnliche Beiträge