Wie der Tech-Milliardär das Weltall erobert


Digital bearbeitete Bildmontage der SpaceX Falcon-9-Rakete beim Start von Rampe 39A des Kennedy Space Centers in Cape Canaveral, Florida mit einer im Vordergrund montierten großen Steinbüste von Tech-Milliardär Elon Musk mit US-Flaggen-Schal sowie Sternenhimmel und grafisches Raster-Overlay im Hintergrund

Elon Musk, Jeff Bezos und Co. versprechen die Rettung der Menschheit im Weltall. Doch ihre Visionen folgen oft alten Mustern: Macht, Kontrolle und die Ausbeutung neuer Räume.

27.04.2026 | 19:00 min


In Boca Chica, im US-Bundesstaat Texas, erleuchten Blaulichter die Nacht, Drohnen schwirren durch den Himmel, Kameraleute bringen sich in Stellung. Das Gelände rund um den SpaceX-Hauptsitz ist weiträumig abgesperrt, Sicherheitskräfte kontrollieren die Zufahrten, vereinzelt passieren Fahrzeuge die Checkpoints.

Am Straßenrand steht Eli. Seit Stunden wartet er hier. Gleich sollen neue Raketentriebwerke zum Testgelände gebracht werden. Der Italiener reist mehrmals im Jahr in die USA, nur um bei diesen Ereignissen dabei zu sein.

Eli gibt eine Runde Donuts aus, keiner weiß so genau, wann es losgeht. Der 38-Jährige erzählt ZDF frontal, er sei seit der Corona-Pandemie ein großer Fan von Elon Musk: „Ich habe auf Segelbooten gearbeitet, abgeschottet von der Welt. Und dieser Typ versucht, die Welt zu retten. Ich dachte: Das sollte ich auch tun.“

Digital bearbeitete Illustration eines raketenartigen Militärflugkörpers mit der Aufschrift ‚U.S. Army‘ über der nächtlichen Erde, mit leuchtenden Städten, Sternenhimmel und grafischem Raster-Overlay im Hintergrund

Provokationen im Weltraum reichen bis in den Kalten Krieg zurück. Heute treiben Russland, China, die USA und private Firmen wie SpaceX das Wettrüsten voran. Wer kontrolliert den Krieg über uns?

27.04.2026 | 18:38 min


Musk plant SpaceX-Börsengang

Seitdem glaubt Eli an die Visionen des reichsten Mannes der Welt. Zum Beispiel die Idee einer galaktischen Zivilisation. Der Antrieb dahinter, so Musk, sei das Überleben der Menschheit: „Der Mars ist wirklich die einzige Option. Und das idealerweise vor dem Dritten Weltkrieg oder irgendetwas Schlimmem“, erzählte Musk vor zwei Jahren bei einem PR-Event.

Seit Anfang 2026 ist der Tech-Milliardär von diesem Ziel etwas abgerückt: Zunächst soll eine eigenständige Mondstadt entstehen. Den Mars hat Musk nicht aufgegeben, aber auf später verschoben.

Aus Boca Chica ist inzwischen Starbase geworden, seit Mai 2025 ist es eine offizielle Stadt. Der Bürgermeister ist ein SpaceX-Manager, viele Bewohner arbeiten direkt oder indirekt für das Unternehmen. Ein Privatunternehmen mit eigener Stadt, eigenem Weltraumbahnhof und bald wohl auch mit eigener Aktie: Musk plant den größten Börsengang der Geschichte. Geschätzte 75 Milliarden Dollar soll er einbringen, SpaceX wird mit rund 1,75 Billionen Dollar bewertet.

Eine Statue von Elon Musks Oberkörper steht entlang der Straße zur SpaceX-Startbasis in Texas.

SpaceX hat offenbar vertraulich einen Antrag für einen Gang an die US-Börse gestellt. Mit einer Bewertung von über 1,75 Billionen Dollar könnte es der größte Börsengang aller Zeiten werden.

02.04.2026 | 0:30 min


Aufträge von Nasa und Pentagon in Milliardenhöhe

Was dabei gern vergessen wird: SpaceX ist nicht allein durch Musks Genialität groß geworden. Thomas Zurbuchen, früherer Wissenschaftsdirektor der Nasa, stellt klar: „Es gibt kein SpaceX ohne Staatsgelder. Der Staat gehört dazu.“ Das Unternehmen erhielt über Jahre staatliche Aufträge von Nasa und Pentagon in Milliardenhöhe.

Und so ist SpaceX zu einem dominanten Akteur im Weltraum geworden: Kaum ein anderes Unternehmen bringt so viele Satelliten in die Umlaufbahn. Das firmeneigene Starlink-Netzwerk stellt Internetverbindungen bereit, auch in Kriegsgebieten wie der Ukraine.

2025 starteten weltweit 329 Raketen, 181 davon in den USA – allein 170 gingen auf das Konto von SpaceX. Europa schickte gerade mal acht in den Orbit. Wer Satelliten schnell und vergleichsweise günstig ins All bringen will, kommt an Musk kaum vorbei. Diese Satelliten sind längst kritische Infrastruktur: für Navigation, Kommunikation, Finanzen und Wetterdaten.

Digital bearbeitete Illustration eines Modells der ESA-Rakete Ariane 6, die in den Weltraum zeigt, umgeben von den Sternen der EU-Flagge im Orbit bei Nacht, mit Sternenhimmel und grafischem Raster-Overlay im Hintergrund

Die Trägerrakete Ariane 6 der European Space Agency (ESA) soll Europas unabhängigen Zugang zum All sichern und Satelliten transportieren. Doch im globalen Raumfahrt-Wettlauf liegt Europa zurück.

27.04.2026 | 18:20 min


Musks Kritiker sehen „Kolonisierung“

Was Musk-Fan Eli fasziniert, betrachten andere mit Sorge. Moriba Jah, Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der University of Texas, bringt es auf den Punkt: „Das Mindset ist: Ich mache es, weil ich es kann und niemand wird mich aufhalten. Meine Handlungen haben keine wirklichen Konsequenzen. Das ist sehr beängstigend.“

Doch diese Handlungen haben Folgen, beispielsweise in Texas. Dr. Christopher Basaldú, Mitbegründer des South Texas Environmental Justice Network, kämpft gegen SpaceX. Er gehört dem Stamm der Carrizo Comecrudo Nation an, deren angestammtes Land und heilige Stätten direkt an Starbase grenzen. „So wie ich SpaceX sehe, ist das für mich nur ein weiterer Zyklus der Kolonisierung, weil Ressourcen abgebaut oder genutzt werden, ohne dass die lokale Bevölkerung davon profitiert“, sagt er.

Eine Statue des SpaceX-Gründers Elon Musk steht in der Nähe der texanischen Stadt Boca Chica, die zu Starbase, Texas, werden würde, wenn die Anwohner einer Maßnahme zustimmen, die das Gebiet um den Raketenstartplatz zu einer eigenen Stadt machen würde.

SpaceX, die Weltraumfirma von Tech-Milliardär Elon Musk, bekommt rund um ihre Raketenfabrik eine eigene Stadt. In Starbase leben hauptsächlich Mitarbeiter des Unternehmens.

04.05.2025 | 0:27 min


Geopolitisches Machtspiel

Die Sorgen sind begründet. Starbase liegt inmitten mehrerer Naturschutzgebiete. Eine Untersuchung der New York Times dokumentiert: SpaceX habe seit 2019 wiederholt Feuer, Explosionen und Lecks verursacht, Schadstoffe sollen in Gewässer eingeleitet worden sein. Für Basaldú ist der Preis für Musks Vision viel zu hoch: „Der Mars kann kein menschliches Leben erhalten. Menschen in Raumanzügen in einer unterirdischen Kolonie, das ist ein Albtraum.“

Zurück am Straßenrand der Starbase wartet Eli immer noch. Erst nach Stunden rollen die Raketentriebwerke los. „Das ist nicht in Worte zu fassen“, ruft Eli, während er wegläuft. Für ihn ist das hier kein geopolitisches Machtspiel. Sondern die Zukunft.

Elon Musk auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Tech-Milliardär Elon Musk fusioniert sein Raumfahrtunternehmen SpaceX mit seinem KI-Entwickler xAI. Gemeinsam sollen die Unternehmen unter anderem Rechenzentren im All bauen, wie Musk ankündigte.

03.02.2026 | 0:37 min


Über dieses Thema berichtete ZDF frontal am 28.04.2026 ab 21 Uhr.



Source link

Ähnliche Beiträge