Albert Riera: Eintracht-Frankfurt-Trainer kritisiert vor HSV-Spiel Medien


Wer dabei war, hat es nicht vergessen. Das bis heute letzte Spiel des Hamburger SV in der Arena im Frankfurter Stadtwald war ein Rührstück, das die Eintracht-Fan-Seele in Wallung versetzte. Als Alexander Meier, dem von den Rängen beim Warmmachen als „Fußballgott“ gehuldigt wurde, nach zwölfmonatiger Verletzungspause von Niko Kovač in der Schlussphase eingewechselt wurde, gelang ihm vier Minuten darauf ein Treffer, wie er sinnbildlicher nicht hätte sein können.

David Abraham sprintete rechts die Linie lang, seine Flanke vollendete Meier mit der Innenseite des linken Fußes aus sieben Metern ins untere Toreck zum 3:0-Endstand. Damals wie aktuell ging es für den HSV darum, den Abstieg zu verhindern; ein Unterfangen, das – unter anderem wegen der Niederlage gegen die SGE – nicht von Erfolg gekrönt war.

Auch die momentane Situation der Eintracht weist Parallelen auf, weil sie abermals als Tabellensiebte die Chance besitzt, sich über den Ligabetrieb fürs internationale Geschäft zu qualifizieren. 2018 rutschte sie auf den letzten Drücker noch aus den Europapokalrängen heraus, holte sich die Starterlaubnis aber nachträglich, indem sie mit dem Triumph im Pokalfinale gegen die Bayern ein Kunststück vollbrachte, das bis in die Gegenwart nachwirkt.

Assistent überbringt Rieras Botschaft an Burkardt

Dass die Stimmung anhaltend von Unruhe geprägt ist, macht die Sache komplizierter. Neuester Störfaktor ist die Meldung, dass Trainer Albert Riera offenbar mit dem Zutun Jonathan Burkardts nicht zufrieden ist. Er soll, berichtete zuerst die „Bild“-Zeitung, den Stürmer wegen vermeintlich überhöhter Körperfettwerte und einer zu geringen Laufbereitschaft (in der Rückwärtsbewegung) kritisiert haben – nicht im direkten Austausch, sondern durch seinen Assistenten Jan Fießer, der die Botschaft vortrug.

Diese Darstellung des Vorgangs wurde der F.A.Z. aus Klubkreisen bestätigt, ebenso die Intervention von Thomas Kroth, Burkardts Berater, der sich bei Markus Krösche über den Umgang mit seinem Mandanten beklagte – woraufhin der Sportvorstand das Gespräch mit Riera suchte. Unbestätigt blieb der Teil der Meldung, der davon handelte, dass Riera anschließend Burkardt im Vorbeigehen gerüffelt habe.

Der Coach sprach am Freitag auf einer weiteren denkwürdigen Pressekonferenz auf eine Frage der F.A.Z. zunächst von „Bullshit“, der veröffentlicht worden sei. Sodann redete er fast sechs Minuten weiter und sagte, „dass das, worüber sie (die Medien, d. Red.) reden, schon zwei Wochen her ist“ – er wies die Berichte scharf zurück, datierte den Kern der Debatte zugleich aber zurück. Er stehe regelmäßig im Austausch „mit allen“ Spielern.

Die Eintracht sei „kein Zirkus“ und er „keine Marionette“, fügte Riera an. Er sage die „Wahrheit“ und werde „bis zum letzten Tag, den ich hier sein werde, mein Bestes geben. Wir haben keine Schwierigkeiten und keine Probleme.“ Manche Journalisten seien „toxisch“, und den „Bild“-Redakteur blaffte Riera beim Abgang aus dem Presseraum im Campus der Eintracht an: „Frage dich, ob du den Klub liebst, frage dich!“

DSGVO Platzhalter

Fakt ist: Zuletzt in Augsburg (1:1) saß Burkardt, mit zehn Toren treffsicherster Angreifer, bis kurz vor Schluss auf der Bank. Und zweifellos ist es Rieras gutes Recht, sogar seine Pflicht, Dinge anzusprechen, die ihm am Erscheinungsbild der Mannschaft missfallen. Er wurde geholt, um die Performance des Teams zu verbessern, und wird dabei in erster Linie am Ertrag gemessen, nicht am Empathiefaktor. Seine Vorstellungen nicht im direkten Austausch, sondern über einen Mitarbeiter zu übermitteln, ist nicht risikolos.

Aus einer sachlichen Korrektur kann so rasch ein Machtspiel werden – gerade in einer Phase, in der jedes Signal an seinen Kader dezidiert interpretiert wird. Riera, der seit seinem Amtsantritt auf Wirkung mehr als auf Gepflogenheiten setzt, bildet auch dadurch einen Kontrast zu seinem stets verbindlichen Vorgänger Dino Toppmöller. Mit Krösches Personalentscheidung verband sich erkennbar der Wunsch nach frischem Wind in einer als „Wohlfühloase“ wahrgenommenen Kabine. Das entbindet jedoch nicht von der Pflicht, Konflikte so zu führen, dass sie nicht eskalieren.

Im Frankfurter Spiel nach vorne fehlen die Ideen

Dass es zwischen Riera und Burkardt Bruchlinien in der Wahrnehmung der Ausgangslage gibt, wurde schon einmal (öffentlich) deutlich. Nach der 1:2-Niederlage in Mainz am 22. März merkte der Profi an, dass das Team im Rhein-Main-Duell die Unterstützung Mario Götzes durchaus hätte gebrauchen können. Doch der Weltmeister von 2014, der unlängst seinen Vertrag um zwei Jahre verlängerte, blieb auf Geheiß Rieras außen vor; in den vergangenen drei Partien kam er gar nicht zum Einsatz, zuvor gegen Köln nur zwanzig Minuten in der Schlussphase. Auch das sorgt intern für Kopfschütteln.

Beide Personalien, die von Burkardt und die von Götze, stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die das Gleichgewicht der Mannschaft berührt. Die Frankfurter gewannen unter Riera an defensiver Ordnung. Im Spiel nach vorn fehlt es an Ideen. Hoher Ballbesitz führt nur selten zu klaren Abschlüssen, kreative Lösungen bleiben die Ausnahme.

Auch gegen den HSV ist ein Geduldsspiel zu erwarten. Das Remis in Augsburg half im Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SC Freiburg nur bedingt weiter. Es offenbarte wieder einmal die Grenzen des Ansatzes von Riera: Seine Leute schöpfen ihr Potential individuell und als Kollektiv nicht über beide Halbzeiten hinweg aus.

Drei Partien bleiben, um ein Ziel zu erreichen, das in diesem Klub seit Langem über allem steht. Die Begegnung mit dem HSV ist als vorletztes Heimspiel dabei unter den gegebenen Umständen brisant. Mit einem Sieg der SGE gerieten die Hamburger umso mehr unter Zugzwang, kommende Woche zu Hause gegen Freiburg zu punkten.

Dieser Samstagnachmittag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) wird zum Prüfstein, ob das Frankfurter Team und sein Trainer unter besonderen Vorzeichen zueinanderfinden. Andernfalls läuft endgültig alles auf eine Saison hinaus, deren Risse früh sichtbar waren. Die Eintracht droht dann an etwas zu scheitern, das sich in Tabellen kaum ablesen lässt: Sie könnte Europa auf dem Platz verspielen – und in der Kabine gleich mit.



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