Tankrabatt drückt Spritpreise laut ADAC trotz Mittagssprung


Autos stehen am 1. Mai in Nürnberg an einer Tankstelle Schlange

Stand: 01.05.2026 • 14:10 Uhr

Seit Mitternacht ist der Tankrabatt in Kraft – und die Preise an den Zapfsäulen sind laut einer ADAC-Analyse am Vormittag tatsächlich gesunken. Zur Mittagszeit ging es dann wieder nach oben.

Auch wenn sich Benzin und Diesel zur Mittagszeit um gut 12 beziehungsweise 13 Cent verteuert haben, zeigt der seit heute geltende Tankrabatt offenbar Wirkung. Um 12.15 Uhr – also direkt nach dem üblichen Mittagssprung – kostete ein Liter Super E10 laut einer ADAC-Analyse zwar wieder 2,076 Euro. Das waren allerdings 15,8 Cent weniger als zur selben Zeit am Donnerstag. Beim Diesel sprang der Preis auf 2,177 Euro pro Liter – das waren 16,2 Cent weniger als zur selben Zeit am Donnerstag. Alle Zahlen beziehen sich auf bundesweite Durchschnittswerte, einzelne Tankstellen können davon deutlich abweichen.

Seit Mitternacht gilt auf Kraftstoffe, die neu an die Tankstellen geliefert werden, ein Steuerrabatt von 16,7 Cent pro Liter. Dieser wird offenbar auch an den Zapfsäulen weitergegeben – sofern man die Preise mit denen zur jeweils gleichen Zeit am Vortag vergleicht.

Mit dem Tankrabatt will die Bundesregierung Autofahrer und Unternehmen entlasten, nachdem die Preise an den Zapfsäulen infolge des Iran-Kriegs teilweise Rekordstände erreicht haben. Der Rabatt gilt für zwei Monate – also noch bis Ende Juni.

Weiter sinkende Preise erwartet

Die Preise waren laut ADAC nachts recht rasch um 7 bis 8 Cent gefallen. Als am Morgen dann fast alle Tankstellen öffneten, sank der Preis dann weiter. Am Vormittag habe dann eine deutlich stärkere Dynamik mit Preissenkungen eingesetzt, erläuterte das Bundeskartellamt, gerade im Vergleich zu den Tagen zuvor.

Die Spritpreise haben seit Einführung der 12-Uhr-Regel einen typischen Tagesverlauf herausgebildet: Mittags, bei der einzigen erlaubten Erhöhung des Tages, springen sie stark nach oben – zuletzt teilweise um mehr als 15 Cent. Danach sinken sie relativ zügig bis zum Abend und dann am nächsten Vormittag noch einmal. Sollte dieser Verlauf auch weiter gelten, dürfte mindestens E10 am Samstagvormittag wieder unter 2 Euro pro Liter kosten, vielleicht sogar bereits am Freitagabend. Bei Diesel könnte dies am Samstagvormittag zumindest für einen Teil der Tankstellen gelten.

Mahnungen an Konzerne

Die Tankstellen sind allerdings nicht zu bestimmten Reduzierungen verpflichtet. Der Branchenverband Fuels und Energie hatte aber angekündigt, dass die volle Steuersenkung bei den Kunden ankommen soll. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche forderte dies auch ein: „Das ist keine Bitte, das ist eine klare Erwartung“, sagte die CDU-Politikerin. „Das Bundeskartellamt hat nach unserem ersten Maßnahmenpaket bessere Instrumente als je zuvor und erste Untersuchungen aufgenommen. Wenn es Anzeichen für eine Nichtweitergabe der Steuersenkung gibt, erwarte ich unverzügliche Maßnahmen.“

Die Verbraucherzentralen riefen das Bundeskartellamt zum genauen Hinschauen auf. „Der Tankrabatt darf nicht wieder zum Konzernrabatt werden“, sagte die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop, mit Blick auf eine solche Maßnahme in der Energiekrise 2022 infolge des Ukraine-Kriegs. Damals habe sich gezeigt: „Je länger die Steuersenkung andauerte, desto mehr versickerte sie in den Kassen der Mineralölkonzerne. Dieser Fehler darf sich nicht wiederholen.“

Kritik hält an

Mit dem Inkrafttreten des Tankrabatts reißt aber auch die Welle der Kritik nicht ab. Der Tankrabatt steigere die Nachfrage nach Öl – „das führt zu weiteren Preissteigerungen, was den ausländischen Exporteuren hilft, aber nicht denen, die Auto fahren und ihre Wohnung heizen müssen“, sagte der Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Otmar Edenhofer, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die Regierung könnte die Bürger besser vor steigenden Preisen schützen.

Greenpeace wies darauf hin, dass der zweimonatige Tankrabatt teurer ist als der Zuschuss des Bundes für das Deutschlandticket. Dabei sei letzteres klima- und sozialpolitisch „weit vorteilhafter“. Es ersetze Autofahrten, entlaste Straßen und Geldbörsen, bringe den Klimaschutz voran – und mache Deutschland weniger abhängig von Ölimporten, sagt Greenpeace-Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer. „Doch statt das Erfolgsmodell des 9-Euro-Tickets wieder aufleben zu lassen, kehrt die Bundesregierung zum gescheiterten Tankrabatt zurück.“



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