Trump droht mit Abzug von US-Truppen aus Deutschland
„Die Vereinigten Staaten prüfen derzeit eine mögliche Truppenreduzierung in Deutschland“, schrieb US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social. Eine Entscheidung darüber solle in Kürze getroffen werden.
Die Ankündigung folgt auf einen verbalen Schlagabtausch zwischen Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz über den Iran-Krieg. Merz hatte Trump vorgeworfen, in dem Konflikt ohne Strategie zu agieren. Daraufhin polterte der US-Präsident: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“ Merz halte es offenbar für in Ordnung, wenn der Iran Atomwaffen besitze. Trotz der Auseinandersetzung bezeichnete Merz sein Verhältnis zu Trump zuletzt als unverändert gut – „jedenfalls aus meiner Sicht“.
An diesem Donnerstag legte der US-Präsident noch einmal nach: „Der deutsche Bundeskanzler sollte mehr Zeit darauf verwenden, den Krieg Russland/Ukraine zu beenden (wo er völlig wirkungslos war!)“, tönte Trump auf Truth Social. Merz solle sich darum kümmern, „sein marodes Land, insbesondere die Bereiche Einwanderung und Energie, wieder aufzubauen“.
Einen Dissens gibt es auch, was die militärische Beteiligung am Iran-Krieg betrifft. So kritisierte Trump Deutschland und andere NATO-Verbündete kürzlich auch dafür, dass sie keine Marineschiffe zur Sicherung der Straße von Hormus entsandt hätten.
Drohungen bereits in Trumps erster Amtszeit
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus Anfang 2021 kündigte er an, 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Anlass waren die aus Trumps Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne nach seinem Amtsantritt.
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 39.000 Soldaten in Deutschland stationiert. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Tausende Arbeitsplätze hängen an US-Stützpunkten
Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik und sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Regionen rund um die Stützpunkte geworden. Tausende Ortskräfte werden vom US-Militär beschäftigt, daneben hängen vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern Tausende weitere Arbeitsplätze von den US-Truppen ab.
Allein der Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern mit der größten US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft. Nahe dem Stützpunkt entsteht zurzeit das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA.
Zusage Trumps im März
Noch im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. „Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe“, sagte Merz nach einem Treffen mit Trump.
Angesichts der kritischen Grundhaltung Trumps gegenüber den Europäern als langjährigen Verbündeten war zuvor spekuliert worden, dass der Präsident US-Soldaten auch aus Deutschland abziehen könnte. Ob Trump zusagte, dass das US-Kontingent auch in voller Truppenstärke erhalten bleibe, sagte Merz damals nicht.
gri/pgr (dpa, rtr, afp)
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