Der Zusammenhalt Europas ist entscheidend


Der deutsche Bundesaußenminister Johann Wadephul war schon vor seinem Amtsantritt ein Politiker, der sich viel dem transatlantischen Verhältnis widmete und dabei immer wieder auch nach Mittel- und Osteuropa blickte. Er gilt in der Bundesregierung als jemand, dem die Unterstützung der Ukraine ein besonderes Anliegen ist. Auch mit Polen verbindet ihn einiges. Er hat familiäre Wurzeln in der Gegend um Bydgoszcz (Bromberg). Mit dem polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski pflegt er ein enges und freundschaftliches Verhältnis.

Anlässlich der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Verteidigungsabkommens sprach die DW mit Wadephul über all diese Themen.

Zum transatlantischen Verhältnis sagte der Außenminister, dass es „nicht mehr so einfach wie vorher“ sei. Dennoch blieben die Vereinigten Staaten ein Partner. Was ihn vor allem umtreibe, so Wadephul, sei der Zusammenhalt Europas, den es zu bewahren gelte und der „von entscheidender Bedeutung“ sei.

„Jeden Zentimeter verteidigen“

Das deutsch-polnische Verteidigungsabkommen betone die gegenseitigen Beistandsverpflichtungen innerhalb der NATO. Wadephul formuliert dabei unmissverständlich: „Wir werden keine Sekunde zögern. Wenn das NATO-Territorium angegriffen wird, und es geht ja im Zweifel nur um Russland, dann werden deutsche Soldatinnen und Soldaten sofort jeden Zentimeter verteidigen.“

Im Mittelpunkt der europäischen Sicherheitspolitik steht für Wadephul derzeit die Unterstützung der Ukraine. In seinem Dienstzimmer hängt nicht zufällig eine ukrainische Flagge. „Wir haben gemeinsam die Ukraine zu unterstützen“, sagt der Außenminister.

Eine Frau und und Mann (Magdalena Gwozdz-Pallokat und Johann Wadephul) sitzen sich gegenüber und sprechen miteinander. Im Hintergrund eine Europa- und polnische und eine deutsche Fahne
DW-Redakteurin Magdalena Gwozdz-Pallokat im Gespräch mit dem deutschen Außenminister Johann Wadephul am 17.06.2026 in BerlinBild: DW

Auch über den Aggressor Russland spricht Wadephul ungewöhnlich klar. Auf die Frage, ob womöglich der russische Präsident Wladimir Putin den längeren Atem besitze, antwortet er entschieden: „Auf keinen Fall. Wir werden immer den längeren Atem haben.“ Der russische Angriffskrieg habe Grundsätzliches verändert. „Letzte Illusionen über eine mögliche Verständigung mit Russland sind durch den Angriffskrieg zerstört worden.“ Auf Nachfrage schließt Wadephul diplomatische Bemühungen zwar nicht aus, allerdings müssten sie „illusionslos“ geführt werden. Auf absehbare Zeit werde Europas Sicherheit nur gegen Russland organisiert werden können, betont Wadephul.

Polen komme dabei eine Schlüsselrolle zu. Die gelegentliche Kritik aus Warschau, wichtige europäische Abstimmungen, etwa das E3-Format zur Unterstützung der Ukraine, fänden ohne ausreichende polnische Beteiligung statt, könne er nachvollziehen. „Wir könnten die Ukraine nicht unterstützen ohne Polen. Das E3-Format wird nicht ein einziges Komma setzen, ohne dass Polen nicht einverstanden ist.“

Historische Verantwortung Deutschlands

Insgesamt seien die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen deutlich besser als häufig angenommen. „Wir sind auf Augenhöhe“, betont Wadephul. Mehr noch: Polen sei für Deutschland und Europa von erheblichem Gewicht.

Gleichzeitig betont Wadephul die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Polen. Denn: „Deutsche haben sehr viel Schuld auf sich geladen.“ Dass antideutsche Ressentiments in Polen immer wieder aufflammen, betrachtet der Außenminister mit Bedauern. „Das beschwert mich“, sagt Wadephul. „Aber lasst uns doch jetzt die europäische Zukunft miteinander gestalten“, ist sein Appell. Der Außenminister spricht sich allerdings auch klar dafür aus, die noch überlebenden Opfer der deutschen Verbrechen während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg zu entschädigen.

Für die Zukunft des deutsch-polnischen Verhältnisses wünscht sich Wadephul vor allem eines: Normalität. „Ehrlich gesagt, langweilige Normalität. Wenn wir da wären, dann ist alles gut“, sagt er. Am Ende des Gesprächs wird Wadephul persönlich. Auf die Frage nach Polen als Reiseland antwortet er mit einem Lächeln. Dort laufe manches besser. Und er fügt hinzu: „Ehrlich gesagt, das Essen schmeckt mir in Polen meistens auch besser als in Deutschland.“



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