Kloster in Kiew getroffen: „Ein Angriff auf unsere Geschichte“


Selenskyj am Ort eines russischen Angriffs auf die Mariä-Entschlafens-Kathetrale des Kiewer Höhlenkloster.

Stand: 15.06.2026 • 13:53 Uhr

Bei russischen Angriffen sind in Kiew Teile des bekannten Höhlenklosters in Flammen geraten. Präsident Selenskyj sprach von einem „Angriff auf unsere Geschichte„.

Von Frederik Rother, zzt. Kiew

Vor allem die Maria-Entschlafens-Kathedrale hat es stark getroffen. Das Dach der Kirche, die zum Komplex des Kiewer Höhlenklosters gehört, fing in der Nacht nach einem russischen Angriff Feuer.

Am Vormittag, einige Stunden nach dem Angriff und den Löscharbeiten, stehen noch immer Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr auf dem Gelände. Eine der Drehleitern ist ausgefahren. Auf dem Boden liegen große Trümmerteile aus Metall, Brandgeruch liegt in der Luft, Wasserlachen auf dem Boden.

Petro Petrov von der Pressestelle des Kiewer Katastrophenschutzes, sagt, insgesamt seien 30 Fahrzeuge und mehr als hundert Personen im Einsatz. Der Brand sei vollständig gelöscht, aber das Ausmaß der Schäden am Gebäude könne erst bewertet werden, wenn die Rettungskräfte ihre Arbeiten abgeschlossen hätten.

Eines der bedeutendsten Klöster des orthodoxen Christentums

Mit dem Brand auf dem Gelände des Kiewer Höhlenklosters wurde eines der bedeutendsten Klöster des orthodoxen Christentums getroffen. Die Ursprünge der weiträumigen Anlage reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Seit 1990 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Höhlenkloster in Kiew

Die Klosteranlange mit ihren Kirchen, Glockentürmen und dem berühmten Höhlenkloster gilt als eines der bedeutendsten Zentren des orthodoxen Christentums in Osteuropa. Zu ihren wichtigsten Bauwerken zählt die Entschlafungs-Kathedrale, die als Hauptkirche des Klosters das geistliche Zentrum der Anlage bildet. Sie wurde bereits im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört. Zwischen 1999 und 2000 wurde die Kathedrale wieder aufgebaut – im Stil des ukrainischen Barocks des späten 18. Jahrhunderts. Seit 2023 steht das Kloster wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf der Liste des gefährdeten Menschheitserbes. Nach UNESCO-Angaben zeugt die Anlage von den über Jahrhunderte gewachsenen byzantinischen Kulturtraditionen der Kiewer Rus. Das Höhlenkloster mit ihren unterirdischen Gängen und Grabstätten sind ein prägendes Merkmal der Anlage und machten das Kloster über Jahrhunderte zu einem bedeutenden Pilgerort.

Die teilweise Zerstörung hat in der Ukraine Empörung und Wut hervorgerufen. Viele Menschen sehen sich bestätigt darin, dass Russland einen Krieg gegen die ukrainische Kultur führt. Von einem russischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen die Geschichte, gegen das Christentum sprach Metropolit Epiphanius, Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine.

Selenskyj vor Abreise zu G7 an der Kirche

Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj besichtigte die Anlage am Vormittag – vor seiner Weiterreise zum G7-Gipfel. Auf Nachfrage des ARD-Studios in Kiew sagte er:

„Das ist zweifellos ein Angriff auf unsere Geschichte. So etwas gibt es in Russland nicht. Russland tut alles, damit wir so etwas auch nicht haben. Ja, für uns ist das eine Herausforderung. Wir werden zweifellos alles wiederherstellen. Wir werden zweifellos alles verteidigen.“

Angriffe auch in Charkiw

Bei den russischen Angriffen in der Nacht waren auch andere Kiewer Stadteile betroffen. Mehrere Wohnhäuser wurden nach offiziellen Angaben beschädigt, mindestens fünf Menschen starben, rund 30 wurden verletzt, hieß es weiter. Zehntausende Einwohner hatten zeitweise keinen Strom.

In anderen Landesteilen schlugen ebenfalls russische Drohnen und Raketen ein. In der ostukrainischen Großstadt Charkiw, nicht weit von der russischen Grenze entfernt, wurden fünf Rettungskräfte getötet – offenbar bei einem zweiten russischen Angriff auf dieselbe Stelle.

Der Leiter der Militärverwaltung des Gebiets Charkiw, Oleh Sinehubow, äußerte sich empört: „Der Feind hat einen doppelten zynischen Schlag durchgeführt. Zuerst gab es Angriffe mit Shahed-Drohnen, danach richtete er gezielt mehrere Raketenangriffe gegen unsere Rettungskräfte, gegen die Menschen, die die Folgen der Angriffe beseitigen.

Nach Angaben des ukrainischen Militärs hat Russland in der Nacht insgesamt 70 Marschflugkörper und ballistische Raketen gegen die Ukraine eingesetzt, und mehr als 600 Drohnen.



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