„Multikulti-Junge“ aus Berlin für Algerien


„Ich bin ein Multikulti-Junge mit drei verschiedenen Nationalitäten: Deutschland, Algerien und Vietnam„, sagte Ibrahim Maza Anfang des Jahres. Damals war Julian Nagelsmann und den 80 Millionen anderen Bundestrainern in Deutschland aufgefallen, dass man einen Spieler wie Maza auch in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unter Umständen gut brauchen könnte.

Allerdings war es da schon zu spät – Maza hatte sich für Algerien entschieden, das Land, aus dem sein Vater stammt.

Wurzeln in Algerien, Vietnam und Berlin

Mazas Vater Sofiane stammt aus Algier und wanderte als junger Mann nach Deutschland aus. Dort lernte er seine Frau kennen, die vietnamesische Wurzeln hat, aber auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. 2005 wurde Sohn Ibrahim in Berlin geboren.

Die algerische Kultur und seine Heimat brachte der Vater seinem Sohn über Erzählungen und regelmäßige Heimatbesuche näher. „Ich bin mit meinem Vater oft dort gewesen“, erzählt Ibrahim Maza in einem persönlichen Interview mit dem klubeigenen Werkself-TV von Bayer 04 Leverkusen. „Wir haben eigentlich jeden Sommer dort Urlaub gemacht und die Familie besucht.“

Von Berlin nach Leverkusen in die Champions League

Fußballerisch ausgebildet wurde Maza, den alle nur Ibo nennen, aber in seiner Heimatstadt Berlin. Schon als Kind schloss er sich den Reinickendorfer Füchsen an, einem Verein, der für seine gute Jugendarbeit bekannt ist. Einige spätere Profis haben hier das Fußballspielen gelernt, unter anderem Kevin-Prince Boateng und mit Thomas Häßler sogar ein deutscher Weltmeister von 1990.

Als Zwölfjähriger wechselte Maza zu Hertha BSC und wurde dort 2023 zum Profi. Nach zwei Jahren in der 2. Liga schloss er sich im Sommer 2025 Bayer 04 Leverkusen an, wo er die Möglichkeit hatte, in der Champions League zu spielen.

Algerischer Nationalspieler war er damals bereits. Obwohl er in der Jugend noch von der U17 bis zur U20 für die Nationalteams aus Deutschland aufgelaufen war, entschied er sich für das Heimatland seines Vaters und gegen eine Länderspielkarriere mit Deutschland oder Vietnam. „Ich liebe alle drei Länder und habe mich zum Schluss aus verschiedenen Gründen entschieden – die sind privat“, sagte er.

Zu Mazas großen Stärken gehören seine Ballsicherheit im Dribbling, sein Tempo, dazu Spielübersicht und Einsatzbereitschaft. Wie kaum ein anderer Spieler schafft es Maza, sich meist schon bei der Ballannahme so um einen oder mehrere Gegner zu drehen, dass er einen entscheidenden Vorteil hat, das Spiel schnell nach vorne fortzusetzen.

Leverkusens Ex-Trainer Kasper Hjulmand gibt Ibrahim Maza Anweisungen vor dessen Einwechslung im Champions-League-Spiel gegen Paris St. Germain
„Er ist wegen seiner Persönlichkeit ein guter Spieler. Er will lernen“, sagt Ex-Leverkusen-Coach Hjulmand (l.) über Maza (r.)Bild: Jens Niering/picture alliance

„Er ist ein top, top Spieler“, lobte Leverkusens Ex-Trainer Kasper Hjulmand. „Die Wahrheit aber ist: Er ist ein top Mensch, er lernt sehr schnell. Du kannst auch hart mit ihm arbeiten, denn dann sagt er ‚Dankeschön‘ und arbeitet super hart – jeden Tag. Er lernt auch superschnell. Er ist einfach ein super Spieler, der eine große Zukunft vor sich hat.“

In seiner ersten Bundesliga-Saison gehörte Maza in Leverkusen zu den Besten und etablierte sich zum Stammspieler, obwohl das zuvor niemand von dem erst 19-Jährigen erwartet hatte. In 28 Bundesligaspielen erzielte er drei Treffer und gab sechs Vorlagen. Hinzu kamen vier Einsätze im DFB-Pokal (zwei Tore) und zwölf in der Champions League, in denen er torlos blieb.

Große Emotionen beim Afrika-Cup

Absolutes Highlight der abgelaufenen Saison war für Maza aber sicherlich die Teilnahme mit Algerien am Afrika-Cup. „Es war völlig verrückt. Als wir zwei Stunden vor dem Spiel im Stadion angekommen sind, war schon alles voll mit Fans. Es war so laut. Da hatte ich zum ersten Mal Gänsehaut“, sagte er später.

Obwohl einer der Jüngsten, war Maza auch im Team der „Fennecs“ einer der herausragenden Spieler. Allerdings konnte auch er nicht verhindern, dass Algerien im Viertelfinale gegen Nigeria klar unterlegen war und ausschied.

Algeriens Ibrahim Maza (2.v.r.) köpft den Ball im Afrika-Cup-Spiel gegen DR Kongo
Beim Afrika-Cup – seinem ersten Turnier mit Algerien – machte Ibrahim Maza (2.v.r.) mit guten Leistungen auf sich aufmerksamBild: Thor Wegner/DeFodi Images/IMAGO

„Ich bin mit der Einstellung zum Turnier gekommen, es zu gewinnen“, sagte er. „Dann so auszuscheiden, war halt bitter, und natürlich gehen einem dann ein paar Emotionen durch den Kopf. Ich war ein bisschen sauer und traurig nach dem Spiel. Aber das gehört auch dazu. Man kann daraus lernen, auch aus den Fehlern, um sich weiterzuentwickeln, damit wir es hoffentlich beim nächsten Mal besser machen.“

Dieses „nächste Mal“ ist nun die WM. Dort bekommt es Algerien in Gruppe J mit Weltmeister Argentinien, Österreich und WM-Neuling Jordanien zu tun. Das Erreichen der K.o.-Runde ist das klare sportliche Ziel.

Daneben hat sich Ibrahim Maza mindestens ein weiteres gesetzt: „Das Verrückte ist, dass wir gegen Argentinien spielen, gegen Lionel Messi, mit dem ich aufgewachsen bin“, erzählt er in einem Interview der DFL (Deutsche Fußballliga) zu seinen WM-Träumen „Ich versuche, sein Trikot zu bekommen. Vielleicht sieht er das hier ja. Daher: Bitte, gib mir dein Trikot!“, sagt er in die Kamera und strahlt dabei bereits voller Vorfreude.





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