So stehen Trainer und Spieler zu den Trinkpausen
Julian Nagelsmann nutzte die Trinkpause gegen Curacao zur Taktikbesprechung.
Quelle: dpa
Die Trinkpause kam Julian Nagelsmann gerade recht. Schon vorher hatte er Hinweise auf das Feld gerufen, weil Curacao zur Überraschung der DFB-Auswahl mit einer Raute im Mittelfeld spielte.
Zwei Minuten nach dem Ausgleich des Außenseiters zum 1:1 (20.) konnte der Bundestrainer seine Spieler in Ruhe instruieren. Ja, berichtete er nach dem 7:1, „die Trinkpause hat tatsächlich geholfen“, mit dem Griff zur Taktiktafel habe er den Spielern verdeutlichen können, „was wir schon vorher angepasst haben“.
Warum die Hitze bei dieser WM so ein großes Thema ist.
12.06.2026 | 4:03 min
Undav und Rangnick sehen Trinkpausen positiv
Was auch beim Spiel der deutschen Mannschaft damit erkennbar war: Die sogenannten Trinkpausen, offiziell „Kühlpausen“, haben Auswirkungen auf das Spiel. Sie dienen längst einem höheren Zweck.
„Ich finde das gut, weil wir dann im Trainerstab noch mal die Möglichkeit haben, ein paar Dinge anzusprechen, vielleicht auch ein paar Dinge zu korrigieren und anzupassen“, erklärt etwa der österreichische Teamchef Ralf Rangnick. „Jetzt hast du zweimal im Spiel zusätzlich die Chance“, sagte Deniz Undav, „taktisch etwas zu verändern“.
Das DFB-Team hat den WM-Neuling aus Curaçao nur kurz von der Sensation träumen lassen, dann drehte Deutschland auf und hat das Weiterkommen in der Gruppe E damit bereits so gut wie sicher.
14.06.2026 | 10:45 min
Trinkpausen-Pflicht soll Chancengleichheit bringen
Dabei entsprang die WM im Viervierteltakt der Sorge um die Spieler. Nach den hohen Temperaturen bei der Klub-WM in den USA im vergangenen Sommer forderten Trainer und die Spielergewerkschaft FIFPRO strengere Hitzeregeln für die WM.
Daraufhin legte die FIFA im vergangenen Dezember fest, dass alle Spiele beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada aus vier Vierteln bestehen sollen, jede Halbzeit sollte jeweils nach etwa 22 Minuten bei einer ohnehin erforderlichen Unterbrechung gestoppt werden, um damit Zeit für eine dreiminütige Trinkpause zu haben. Betonung auf: alle Spiele – unabhängig von den örtlichen Bedingungen. Die Chancengleichheit sollte gewahrt werden.
Wo die Teams bei der Fußball-WM spielen (Fokus Eröffnung und Finale)
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Schweinsteiger und Havertz hinterfragen Trinkpausen
Das Problem ist aber, dass die WM in drei Ländern in unterschiedlichen Klimazonen stattfindet und nicht alle Standorte gleichermaßen hitzegefährdet sind. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger bezeichnete die Regelung beim Spiel zwischen Co-Gastgeber Kanada und Bosnien-Herzegowina bei 26 Grad in Toronto als „fragwürdig“.
Auch beim Auftakt der DFB-Auswahl hätten es zweimal 45 Minuten getan: Das Spiel gegen Curacao (7:1) fand im geschlossenen und voll klimatisierten Stadion von Houston statt. Doppeltorschütze Kai Havertz merkte an, dass es in der Arena „relativ kühl“ gewesen sei.
Die Trinkpause war jetzt nicht so notwendig.
Kai Havertz
Kanada hat sich zum Auftakt der WM einen Punkt erkämpft. Gegen Bosnien-Herzegowina traf Cyle Larin spät zum verdienten Ausgleich des Co-Gastgebers.
12.06.2026 | 6:43 min
Mehr Werbung möglich
Und so erfüllt die Trinkpause eben auch noch andere Zwecke. Fernsehsender haben nun zweimal drei Minuten mehr zur Verfügung, um Werbung zu schalten.
Vor allem aber kommt die Trinkpause den Trainern entgegen – besonders jenen, die ihre Mannschaft dringend neu ausrichten müssen nach 22, 23 Minuten, oder nochmal nach 67, 68 Minuten. „Es kann den Mannschaften auf jeden Fall helfen“, sagt Undav – vor allem, wenn Schreie aufs Feld nichts bringen.
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Trainer Pochettino und Ancelotti mit geteilter Meinung zu „Hydration-Breaks“
Der Vorteil kann freilich auch zum Nachteil werden, wie US-Cheftrainer Mauricio Pochettino betont. Ginge es nach ihm, gäbe es Trinkpausen nur, „wenn die Bedingungen extrem sind. Aber so hat der Gegner die Chance, etwas an seinem Spiel zu ändern, wenn es nicht so läuft für ihn.“
Zu beobachten war das etwa beim Spiel zwischen Südkorea und Tschechien: Die Tschechen waren zunächst überlegen, die Trinkpause aber beendete ihre Druckphase dann abrupt. Am Ende verloren sie 1:2.
Brasiliens Trainer Carlo Ancelotti sagte nach dem 1:1 gegen Marokko, die Pausen seien hilfreich, „um das Problem zu finden, es den Spielern zu erklären, aus taktischer Sicht ist es ein sehr guter Zeitpunkt.“ Zumindest bei seiner Mannschaft aber haperte es dann teilweise an der Umsetzung.
Sport
Vor der WM 2006 steht der deutsche Fußball am Abgrund. Jürgen Klinsmanns Revolution droht zu scheitern – bis sein junges Team das Land elektrisiert und das Sommermärchen beginnt.
Quelle: SID, ZDF
Über die Fußball-WM berichtet das ZDF seit dem 01.06.2026 täglich in verschiedenen Sendungen.
