20-Jähriger soll sieben Männer in Berlin zu Dates gelockt und sie dann ausgeraubt haben


Ein Treffen im 14. Stock eines Hochhauses wurde verabredet. Es war früher Abend, Bewohner waren unterwegs. Der Ort schien sicher. „Doch dann kam der Mann, der mich über eine App angeschrieben hatte und mich treffen wollte, maskiert und bewaffnet an“, beschrieb ein 24-Jähriger als Zeuge vor dem Berliner Landgericht. Er wurde wie sechs weitere Männer über die Dating-App Grindr in eine Falle gelockt.

Auf der Anklagebank sitzt der 20-jährige Daniel F., der mit einem bislang unbekannten Mittäter agiert haben soll. Opfer seien jeweils zu einem angeblichen Sex-Date in ein Treppenhaus in Neukölln bestellt worden. Dort lauerten F. und sein Komplize und forderten unter Vorhalt einer Schusswaffe und eines Messers die Herausgabe von Bargeld und Wertgegenständen, heißt es in der Anklage.

Fake-Profil auf der Dating-Plattform Grindr angelegt

Die Serie begann am 9. November vorigen Jahres. Daniel F. schilderte in seinem Geständnis, wie er sich auf der Dating-Plattform Grindr ein Fake-Profil angelegt habe. Maskiert hätten sie die Opfer bedroht, ihnen Handys abgenommen, Passwörter für Konten erfragt und Geld auf das PayPal-Konto seines Vaters transferiert. Dabei hätten sie den Männern auch gezeigt, „dass die Lage ernst ist“.

In vier Fällen kam es laut Anklage zu Schlägen und Tritten, es gab zudem Demütigungen. Der 24-jährige Zeuge berichtete: „Im Treppenhaus sagte er, dass er Schwule hasst.“ Ein anderer Mann war hinzugekommen. Ein Opfer wurde gezwungen, vor laufender Handykamera abwertend über sich selbst zu sprechen. Dann wurde er laut Anklage brutal geschlagen – „auf den gesamten Körper“.

Ich dachte, ich verprügle ihn einfach.

Der Angeklagte

Der Angeklagte gab auch diesen Vorfall zu. „Sein Äußeres und seine Äußerungen haben mich aufgeregt“, sagte er. „Ich dachte, ich verprügle ihn einfach.“ Es sei ihm auch nicht schnell genug gegangen mit der Überweisung von Geld.

Warum es immer homosexuelle Männer waren, die überfallen wurden, wurde der Angeklagte gefragt. Er habe nichts gegen Homosexuelle, so der 20-Jährige. „Jeder soll leben, wie er will.“ Ihm sei es um Geld gegangen – und um Opfer, die leicht zu überwältigen sind.

Bei der zweiten Tat hatte der Betroffene keine Bankkarten dabei. „Ich bin dann mit ihm etwa zu ihm nach Hause gelaufen“, sagte der Angeklagte. Auf dem Weg habe der Mann auch nicht versucht zu fliehen oder um Hilfe zu rufen. Er sei dann vor dem Haus stehen geblieben und habe auf die Bankkarte gewartet. Unter der Drohung: „Wenn Du was versuchst, passiert Deiner Familie was.“

Täglich Kokain konsumiert

Bei einem anderen Raub musste ein Opfer laut Daniel F. ein Vogelskelett aus dem Dreck in den Mund nehmen – als Strafe dafür, dass er „nicht kooperativ“ gewesen sei und dreimal einen falschen Pin bei der Bank-App ins Handy eingegeben habe.

F. will die Taten begangen haben, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. Er habe zuletzt täglich Kokain konsumiert und auch Alkohol. Über das, was die Opfer erleiden mussten, habe er sich keine Gedanken gemacht. „Mir ging es nur ums Geld.“ Teilweise habe er sich auch keine Gedanken gemacht, ob man ihn erwischt.

Von einer Beute im Wert von insgesamt 7500 Euro geht die Anklage aus. Die Opfer schildern Angst und sprechen von einem starken Unsicherheitsgefühl, das geblieben sei. „Es holt mich immer wieder im Schlaf ein“, sagte der 24-jährige Zeuge. Der Prozess um besonders schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung geht am 17. Juni weiter.



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