Britischer Maler David Hockney ist gestorben


David Hockney, einer der beliebtesten und erfolgreichsten Künstler Großbritanniens, ist am Donnerstag wenige Wochen vor seinem 89. Geburtstag verstorben. Das teilte seine Agentin Erica Bolton mit. Der Gewinner des Praemium Imperiale von 1989 – einer Auszeichnung, die oft als Nobelpreis der Künste bezeichnet wird – galt als bedeutender Vertreter der Pop-Art-Bewegung der 1960er-Jahre. 

Als Kind saß David Hockney im Doppeldeckerbus am liebsten ganz vorn, oben in der ersten Reihe. Dort hatte er die beste Aussicht über alles, was an Landschaften und Stadtbildern vor ihm lag. „I always wanted to see more!“ („Ich wollte einfach immer mehr sehen“), sagte der britische Maler in dem Dokumentarfilm „Hockney“, den Regisseur Randall Wright 2015 über ihn gedreht hat.

Hockney sah sich als Arbeiter

Unermüdlich fotografierte Hockney später als erfolgreicher Künstler seine Umwelt, hielt Szenen des Alltags fest, fertigte Skizzen von Freunden, Häusern, Passanten und anderen Zeitgenossen an, die ihm interessant erschienen. Hockney verstand sich immer als Arbeiter und legte sich auch im hohen Alter nicht auf die faule Haut. Unzählige Bilder hat er im Laufe seines wechselvollen Lebens gemalt. Hinzu kommen Tausende Fotos, Skizzen und Zeichnungen. Häufig stand er extra früh auf, um das Licht in den Morgenstunden einzufangen.

Ein Mann mit weißer Schiebermütze (David Hockney) steht vor einem Gemälde.
David Hockney 2017 vor seinem Gemälde „Fred and Marcia Weisman“ im Pariser Centre PompidouBild: Martin Bureau/AFP

Hockney nutzte auch digitale Werkzeuge, um bunte Farbwelten zu erschaffen: Er arbeitete mit Faxgeräten, Farbkopierern, nahm sein iPhone als Skizzenblock oder malte direkt auf dem iPad. Hochinteressante Bildwelten sind so entstanden, die oft als mehrteilige Bildschirmarbeiten in Ausstellungen rund um den Globus zu sehen waren.

Kirchenfenster für Queen Elizabeth II.

Für die berühmte Londoner „Westminster Abbey“ – die Kirche, in der seit Jahrhunderten die britischen Königinnen und Könige gekrönt und bestattet werden – entwarf er ein Kirchenfenster, das er Queen Elizabeth II. widmete. „The Queen’s Window“ zeigt stilisierte Pflanzen in leuchtenden Farben. 

Der Brite hat auch die Pop Art der USA stark geprägt. Ab den 1960er-Jahren lebte er in Los Angeles, erst im Jahr 2000 kehrte er in seine britische Heimat zurück. Andy Warhol, Robert Rauschenberg – mit vielen Größen des Kunstbetriebes war er befreundet. Sein Interesse für Menschen zeigt sich nicht zuletzt an den vielen Porträts, die er anfertigte. 2019 zog er in ein Landhaus in der Normandie. Dort porträtierte er einen der größten britischen Popstars der Gegenwart: Harry Styles.

David Hockney vor einem bunten Kirchenfenster.
Hockney 2018 vor „The Queen’s Window“Bild: Victoria Jones/PA Wire/dpa/picture-alliance

David Hockney war Weltbürger und Bohemien. Er war der Lieblingsmaler der Briten und weltweit anerkannt. Seine Gemälde wurden schon zu seinen Lebzeiten zu Höchstpreisen gehandelt. Sein Pool-Bild „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ von 1972 erzielte 2018 bei einer Auktion einen Rekordpreis von 90,3 Millionen US-Dollar (etwa 89 Millionen Euro) – damals war es das am teuersten versteigerte Kunstwerk eines noch lebenden Künstlers.

Das Gemälde "Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)" von David Hockney: Ein Mann steht am Rande eines Pools und blickt herab auf einen im Wasser tauchenden Mann.
„Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ (1972)Bild: David Hockney/Photo: J. Carter

Ein Anarchist mit Sinn für Humor

In einem Interview mit „The Guardian“ sagte der Kettenraucher, für ihn habe das Rauchen die Freiheit der 1960er-Jahre vekörpert. Diese Zeit sei „die wahrscheinlich die freieste Zeit überhaupt“ gewesen. In den letzten Jahren seines Lebens habe er erkannt, dass diese Zeit vorbei sei. Doch der produktive Künstler, der 2025 mit einer großen Retrospektive seiner Werke in der Fondation Louis Vuitton in Paris gefeiert wurde, blieb stets lebensbejahend: „Wenn man die Welt als schön, aufregend und geheimnisvoll sieht, so wie ich es tue, dann fühlt man sich sehr lebendig.“



Source link

Ähnliche Beiträge