Neonazi in Sachsen-Anhalt soll versucht haben, Mord in Auftrag zu geben

Ein 34-jähriger Mann aus Gardelegen in Sachsen-Anhalt sitzt wegen des Verdachts der versuchten Anstiftung zum Mord in Untersuchungshaft. Wie das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt am Donnerstag mitteilte, durchsuchten Ermittler am Mittwoch die Wohnung des Beschuldigten.
Demnach soll der polizeibekannte Rechtsextremist nach Tagesspiegel-Informationen versucht haben, über die sozialen Netzwerke Mitglieder einer rechtsextremen Jugendgruppe zu rekrutieren, um einen geplanten Mord auszuführen. Nähere Angaben zu möglichen Opfern der geplanten Tat machte ein LKA-Sprecher in Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nicht. Bisher auch nicht bekannt ist, um welche Neonazi-Jugendgruppe es sich handelt.
Im Anschluss an die Durchsuchung wurde der Mann dem Haftrichter am Amtsgericht Gardelegen vorgeführt. Dieser folgte einem Antrag der Staatsanwaltschaft Halle und ordnete Untersuchungshaft an. Der Beschuldigte wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt gebracht. Im Rahmen des Polizeieinsatzes wurden nach Tagesspiegel-Informationen unter anderem Datenträger sichergestellt.
Der Tagesspiegel hatte in der Vergangenheit regelmäßig über die unterschwellige Vernetzung rechtsextremer Jugendlicher via TikTok, Instagram und anderen sozialen Netzwerken berichtet. In verschiedenen Recherchen ging es auch, um die Möglichkeit älterer Rechtsextremer, über die neu gegründeten Gruppen Einfluss auf die Jugendlichen zu nehmen.
Neue Soko ermittelt
Die Ermittlungen werden von der neu eingerichteten Sonderkommission „JuRex“ des Landeskriminalamtes geführt. Die Einheit wurde Anfang Mai gegründet und soll insbesondere gegen rechtsextremistische Jugendgruppierungen und entsprechende Radikalisierungsprozesse vorgehen.
Nach Angaben des LKA laufen gegen den beschuldigten 34-Jährigen zudem weitere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts, verfassungsfeindliche Inhalte in sozialen Netzwerken verbreitet zu haben. Dabei soll er wiederholt auf Jugendliche eingewirkt und Plattformen genutzt haben, die vor allem von jungen Menschen frequentiert werden.
Seit Frühjahr 2024 beschäftigten eine Vielzahl von neugegründeten rechtsextremen Jugendgruppen die Sicherheitsbehörden in Deutschland. In Sachsen-Anhalt galt lange vor allem die Gruppe „Deutsche Jugend Zuerst“ aus Halle/Saale als besonders aktiv. Mehrere minderjährige Mitglieder der Organisation wurden in Berlin für einen brutalen Überfall auf einen SPD-Wahlkampfstand im Dezember 2024 zu Haftstrafen verurteilt.
