KI-Schock bei Softwareaktien: Übertreibt die Börse bei SAP & Co.?

Kolumne
KI-Schock bei Softwareaktien: Übertreibt die Börse gerade?
Massive Kursverluste bei Adobe, SAP & Co. schüren Zweifel an der Softwarebranche. Doch einiges spricht dafür, dass KI kein Killer, sondern ein Wachstumstreiber ist
Wer es an der Börse schwungvoll mag, der kommt derzeit bei Softwareaktien voll auf seine Kosten. Jahrelang galt der Sektor als Hauptgewinner der Themen Internet, Digitalisierung, Cloud und „Software as a Service“. Märchenhafte langfristige Kursentwicklungen von tausend Prozent und mehr waren oftmals die Folge. Zu denken ist dabei etwa an Cloudflare, Appfolio oder Cadence Design Systems. Aber auch Schwergewichte wie Microsoft und Palo Alto Networks konnten sich im Kurs verzigfachen.
Bei Nennung dieser Namen fällt auf, dass es sich allesamt um amerikanische Unternehmen handelt. In der Tat ist die Softwarebranche vor allem eine US-Branche mit dem „Betriebsunfall“ SAP, wie Bill Gates einmal sagte. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Microsoft vor vielen Jahren SAP übernehmen wollte.
Durch das Thema Künstliche Intelligenz sind jedoch an der Börse Zweifel aufgekommen, ob die disruptive Softwarebranche nicht ihrerseits durch KI disruptiert bzw. überflüssig gemacht werden könnte. Scharfe Kurseinbrüche selbst bei großen Softwareaktien legen diesen Befund nahe. Adobe-Aktien verloren in den letzten 24 Monaten mehr als die Hälfte ihres Kurswertes.
Die Kursrückgänge sind keineswegs auf den amerikanischen Markt beschränkt und betreffen darüber hinaus vor allem auch klassische IT-Dienstleister. Schaut man auf die an deutschen Börsen notierten Aktien, so stechen die schwachen Kursentwicklungen von SAP, Atoss Software, Teamviewer, GFT Technologies, Adesso, Mensch und Maschine, Nemetschek, All for One und anderen ins Auge.
Derweil haben die sinkenden Kurse zu günstigeren Bewertungen des Sektors geführt. Anleger werden eine Grundsatzentscheidung treffen müssen, ob KI die Existenz der genannten Titel gefährdet. Selbstverständlich kommt es dabei jeweils auf den Einzelfall an. Aber es spricht manches dafür, dass die Börse hier, wie auch in anderen Fällen, zur Übertreibung neigt. Immerhin ist KI selber Software und die zu erwartende Implementierung in den meisten Wirtschaftszweigen bringt enorme Nachfrage mit sich. Insofern könnte es sich um eine Transformation und keineswegs um eine Disruption handeln. Jene Software- und IT-Unternehmen, die KI integrieren und implementieren, können zu den künftigen Börsengewinnern zählen.
Hinzu kommt, dass die aktuelle Disruptionsangst noch von den neuerlichen geopolitischen Ereignissen überlagert wird. Dies sorgt für zusätzlichen Kursdruck bei einer ohnehin bereits schwachen Branche. Insofern mag sich auch hier die Börsenmetapher als richtig erweisen, der zufolge gekauft werden sollte, wenn die Kanonen donnern.
