Tedros Adhanom Ghebreyesus: WHO-Chef kämpft gegen Ebola

Wenn Tedros Adhanom Ghebreyesus ein Lebensthema hat, dann sind es Impfungen. Der jüngere Bruder des heutigen WHO-Chefs ist im Kleinkindalter gestorben – Tedros, wie er international genannt wird, vermutete später, dass eine Krankheit die Ursache war, die durch Impfung hätte vermieden werden können. Der Mann, der heute mit seiner Organisation versucht, den Ebola-Ausbruch in Kongo einzudämmen, wurde 1965 im damaligen Kaiserreich Äthiopien geboren.
An der Universität seiner Heimatstadt Asmara studierte Tedros Biologie, in London dann Infektionsimmunologie. Schon in den Achtzigerjahren arbeitete Tedros im äthiopischen Gesundheitsministerium. Er schloss sich der Volksbefreiungsfront Tigray an, die am Sturz einer Diktatur beteiligt war und dann selbst ein autoritäres Regime errichtete. 2001 wurde er zum Leiter des Regionalen Gesundheitsbüros in Tigray berufen, wo er auf sich aufmerksam machte: Ihm gelang es, die Zahl der Aids- und Meningitis-Erkrankungen zu reduzieren, Impfungen von Kindern zu organisieren. Zudem stattete er zahlreiche Krankenhäuser mit Internet aus.
Das Geld wurde knapp, also suchte Tedros es bei Stiftungen
Sein Tatendrang wurde auf höheren Ebenen wahrgenommen. Tedros stieg rasch zum Gesundheitsminister auf. In diesem Amt stärkte er die Basisversorgung im ländlichen Raum, ließ Gesundheitszentren bauen und führte sogar eine Krankenversicherung ein. Die Prognosen für Tuberkulose- und Malaria-Patienten verbesserten sich während seiner Amtszeit signifikant. Weil das Geld knapp und die Not groß war, warb er Gelder von Stiftungen ein – eine Methode, auf die er später auch bei der WHO zurückgreifen sollte.
Bevor er sich um deren Vorsitz bewarb, war Tedros Außenminister Äthiopiens. Dass er als Mitglied einer autoritären Regierung Mitverantwortung für Menschenrechtsverletzungen trägt, wird ihm bis heute angelastet. Bei der heutigen äthiopischen Regierung ist sein Name verbrannt. Berichte darüber, Tedros habe drei Cholera-Ausbrüche zu vertuschen versucht, schadeten seinem Renommee ebenfalls.
Die WHO kämpft seit dem Ausstieg der USA um ihre Position
Dennoch setzte sich Tedros 2017 bei einer Kampfabstimmung in der WHO gegen zwei Konkurrenten durch. Spätestens mit Beginn der Corona-Pandemie erlangte Tedros weltweite Bekanntheit. Mit der Ausrufung einer internationalen Notlage lenkte seine Organisation nun den Blick auf den Ebola-Ausbruch in Kongo: Es gibt keinen Impfstoff gegen die grassierende Variante des Virus.
Zudem versucht er, seine Organisation in ihrer bisherigen Form aufrechtzuerhalten, was seit dem Ausstieg der USA eine große Herausforderung darstellt. Eine seiner wichtigsten Ansprechpartnerinnen ist seither die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Diese bekannte sich im Gespräch mit Tedros im Frühjahr zur Schlüsselrolle der WHO im Kampf gegen Infektionskrankheiten.
