Jafar Panahi erneut zu Haftstrafe verurteilt – Kultur


Ein Revolutionsgericht in Teheran hat eine gegen den Filmemacher Jafar Panahi verhängte einjährige Haftstrafe bestätigt. Im Dezember vergangenen Jahres war Panahi in Abwesenheit wegen „Propaganda gegen das Regime“ verurteilt worden. Panahi war nach der Oscarverleihung, bei der sein Film „Ein einfacher Unfall“ nominiert war, nach Teheran zurückgekehrt, wo die Anklage vom vergangenen Jahr nun neu verhandelt wurde. Außer der Haftstrafe wurde ein Reiseverbot gegen Panahi verhängt, sagte sein Anwalt der iranischen Nachrichtenagentur Emtedad. Außerdem dürfe er keiner politischen Vereinigung beitreten. Eine Berufung ist noch möglich.

In der Anklage hatte es unter anderem geheißen, Panahi habe Proteste unterstützt, außerdem wurde ihm Regimekritik durch den Film „Ein einfacher Unfall“ vorgeworfen, den er heimlich gedreht hat. In dem Film geht es um mehrere ehemalige politische Gefangene, die einen Mann entführen, von dem sie glauben, er sei der Folterknecht, dem sie in Haft begegnet sind. Es entspinnt sich daraus eine Diskussion über Rache. Die Gruppe beginnt sich zu fragen, ob sie sich genauso verhalten sollten wie das Regime, das sie verfolgt.

Panahi saß 2024 im Gefängnis Evi in Haft

Für „Ein einfacher Unfall“ hatte Panahi im Mai 2025 in Cannes die Goldene Palme bekommen, danach war er bei mehreren westlichen Filmfestivals. Frankreich hatte den Film für die Oscars 2026 eingereicht – und kurz darauf, Ende März, reiste Panahi nach Iran, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Krieg bereits begonnen hatte. Panahi ist in den vergangenen zwanzig Jahren mehrere Male verurteilt worden, zuletzt war er 2023 im berüchtigten Gefängnis Evin in Haft. Diese Zeit, erzählte er im Interview, sei die Inspiration gewesen für „Ein einfacher Unfall“.

Panahi hatte im Verlauf des letzten Jahres mehrfach beteuert, dass er nach Iran zurückkehren werden. „Ich war immer außerhalb des Systems“, sagte Panahi im Dezember im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Das ist so, wenn man Filme macht, die inspiriert sind von der Gesellschaft. Man ist unabhängig. Und das bedeutet auch, dass man nicht den Geschmack eines anderen bedient.“

Iranische Nachrichtenagenturen und der iranische Filmjournalist Mansour Jahani hatten übereinstimmend vorab berichtet, dass Panahi wieder in Teheran vor Gericht gestellt werde.



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