Ukraine News: Russische Drohne trifft Atommülllager nahe Tschernobyl – Politik
Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Merz, Macron und Starmer treffen Selenskij in London
AKW Saporischschja: Stromleitung repariert
Ukraine greift erneut Sankt Petersburg an
Ukraine entschuldigt sich bei Griechenland für Drohnenvorfall
Putin: Sehe derzeit keinen Sinn für Treffen mit Selenskij
Russische Drohne trifft Atommülllager nahe Tschernobyl
Ein Feuer habe sich auf einer Fläche von 40 Quadratmetern ausgebreitet, teilte das Unternehmen weiter mit. Es sei mittlerweile gelöscht worden. Es gebe keine Berichte über Verletzte, teilen der Generalstab in Kiew und die staatliche Atombehörde mit.
In dem zentralen Lager in der Sperrzone um das vor 40 Jahren havarierte AKW Tschernobyl werden abgebrannte Brennelemente aus anderen ukrainischen Kernkraftwerken langfristig gelagert. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, dass sie von ukrainischer Seite über die „erheblichen Schäden“ an dem Gebäude informiert worden sei. Betroffen sind demnach die Fassade, die Fenster und Türen. Auch benachbarte Gebäude seien durch die Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen. Ein IAEA-Team werde die Anlage in Kürze besuchen, um die Auswirkungen zu begutachten, teilte die Behörde mit.
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte bei X, der Vorfall sei äußerst besorgniserregend, da er sich in einer Liegenschaft ereignet habe, in der – nur wenige Meter vom angegriffenen Gebäude entfernt – große Mengen an Kernmaterial gelagert seien. Angriffe auf kerntechnische Anlagen seien völlig inakzeptabel und verstießen direkt gegen zentrale Grundsätze der nuklearen Sicherheit während eines militärischen Konflikts, hieß es von Grossi.
Wolodimir Selenskij verurteilt den Drohnenangriff als „extrem niederträchtig“. Russland habe das Gebiet gezielt angegriffen, schreibt der ukrainische Präsident auf X. Eine Drohne vom Typ Schahed habe das Gebäude der Anlage getroffen. Es handele sich um eine äußerst kritische Infrastruktureinrichtung. Im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine kam es bereits mehrfach zu Zwischenfällen an Kernkraftwerken. Besonders betroffen von den Kämpfen ist das AKW Saporischschja im Süden der Ukraine.
Merz, Macron und Starmer treffen Selenskij in London
Selenskij hatte Putin am Donnerstag ein Treffen angeboten, um die „Schlüsselfragen“ auf dem Weg zu einer Friedensvereinbarung direkt zu klären. Er sprach sich dafür aus, dass neben den USA als Vermittler auch die europäischen Alliierten der Ukraine eingebunden werden. Putin hatte den Vorstoß tags drauf abgelehnt.
Die Europäer gehen trotzdem davon aus, dass sich Russland Verhandlungen langfristig nicht verweigern kann und sie mit am Tisch sitzen, wenn der Prozess wieder in Gang kommt. „Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland“, heißt es aus deutschen Regierungskreisen. Das Treffen in London soll dazu dienen, sich darauf vorzubereiten.
AKW Saporischschja: Stromleitung repariert
Laut IAEA ist es bereits der 18. Ausfall der externen Stromversorgung seit Beginn des russischen Angriffskriegs und einer der längsten. IAEA-Chef Rafael Grossi warnte vor der extremen Anfälligkeit des Netzes.
Für die Reparaturen hätten sich Ukraine und Russland auf eine begrenzte Waffenruhe geeinigt, die IAEA habe vermittelt. Das von Russland besetzte AKW ist nun wieder an zwei Leitungen angeschlossen – vor dem Krieg waren es zehn.
Ukraine greift erneut Sankt Petersburg an
Gouverneur Beglow teilte am Morgen mit: „Gemäß den Empfehlungen des Einsatzstabs bitte ich die Einwohner von Sankt Petersburg, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen.“ Es könne zu Unterbrechungen des mobilen Internets kommen, schrieb er auf Telegram. Der Zivilschutz setzte auch per SMS einen Drohnenalarm ab. Auf dem für die internationalen Gäste des Forums wichtigen Flughafen Pulkowo gab es am frühen Morgen zeitweilig keine Starts und Landungen wegen der Drohnengefahr.
Im Leningrader Gebiet um Sankt Petersburg (früher Leningrad) meldete Gouverneur Alexander Drosdenko ebenfalls Drohnenalarm. Die Flugabwehr habe 141 Drohnen abgeschossen. Drosdenko informierte auch über die Evakuierung von Wohnhäusern nahe einem Militärobjekt, in dem nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen sei. Es handle sich um eine vorübergehende Sicherheitsmaßnahme, sagte der Gouverneur. Er hoffe auf die baldige Rückkehr der Menschen in ihre Wohnungen. Sankt Petersburger Medien meldeten, dass in dem Ort Bolschaja Ischora am Finnischen Meerbusen 600 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Ein Verletzter sei ins Krankenhaus gebracht worden.
Auch im von der russischen Kriegsmarine genutzten Ostseehafen von Kronstadt habe es Angriffe gegeben, hieß es. Dort seien Arsenale für Raketen und Munition und Stützpunkte der Kriegsflotte getroffen worden, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU in Kiew mit. In der Region Krasnodar sei in der Stadt Ust-Labinsk ein Öllager getroffen worden – etwa 500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Es handle sich um ein für die russischen Streitkräfte wichtiges Treibstofflager, so der SBU.
Die ukrainischen Drohnenattacken gegen die russische Ölindustrie und militärische Ziele waren mehrfach Thema bei dem Wirtschaftsforum. Kremlchef Wladimir Putin räumte in Sankt Petersburg am Freitagabend ein, dass es durch die Angriffe einen „gewissen Schaden“ für die Wirtschaft gebe. „Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem“, sagte er. Wichtig sei eine Stärkung der Flugabwehr; Risiken für die Wirtschaft Russlands gebe es aber nicht. Das Angebot des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij zu einem Treffen für Friedensverhandlungen lehnte er ab.
Ukraine entschuldigt sich bei Griechenland für Drohnenvorfall
Bereits im Mai entdeckten Fischer vor der griechischen Mittelmeerinsel Lefkada ein etwa sechs Meter langes unbemanntes Boot mit laufendem Motor. Auf dem von den Behörden als ukrainisch identifizierten Boot wurden rund 100 Kilogramm Sprengstoff entdeckt. Die Küstenwache machte den Sprengsatz mit einer kontrollierten Explosion unschädlich. In seiner Protestnote sprach Athen von einer Gefährdung der maritimen Sicherheit und einem Risiko für Zivilisten und verlangte von Kiew eine offizielle Stellungnahme.
Die Mittelmeerinsel Lefkada befindet sich über 1000 Kilometer von der ukrainischen Küste entfernt. Der Schwarzmeeranrainer Ukraine hat keinen Mittelmeerzugang. Unbestätigten Medienberichten zufolge setzte das ukrainische Militär mehrfach Seedrohnen von einer Basis in Westlibyen gegen Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte ein. Demnach wurde Anfang März östlich von Malta ein russischer Flüssiggastanker auf dem Weg nach Ägypten von ukrainischen Seedrohnen angegriffen. Das schwer beschädigte Schiff driftete anschließend ohne Besatzung mehrere Wochen im Mittelmeer.
Selenskij: Russland wählt erneut den Krieg
Als Ausweg forderte der Ukrainer erneut stärkere internationale Maßnahmen gegen den Kriegsgegner. „Russland muss weniger Geld haben und der Druck auf Russland muss steigen“, betonte Selenskij und dankte den Unterstützern seines Landes.
Tags zuvor hatte Selenskij Kremlchef Putin in einem Schreiben direkte Friedensgespräche in einem Drittstaat für ein Ende des seit 2022 währenden Krieges angeboten. Putin lehnte ein solches Treffen als verfrüht ab und bezeichnete Teile des offenen Briefes als „unverschämt“.
Der Kreml erneuerte zudem die von dem Ukrainer bereits mehrfach abgelehnte Aufforderung zu einer Reise nach Moskau. „Wenn Selenskij möchte, kann er nach Moskau kommen und unser Präsident wird mit ihm in Moskau reden“, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow laut russischen Nachrichtenagenturen.
Kreml: Putin und Altkanzler Schröder haben zusammen gesprochen
Putin hatte Schröder gestern als möglichen Vermittler zwischen Russland und Europa ins Spiel gebracht. Der 82-Jährige ist mit dem Kremlchef befreundet und war nach seiner Regierungszeit als Lobbyist für russische Energieunternehmen tätig. Der Vorschlag stieß in Deutschland und anderen EU-Staaten auf Ablehnung.
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Putin: Sehe derzeit keinen Sinn für Treffen mit Selenskij
Das am Vortag von Kiew veröffentlichte Schreiben enthalte zudem „Elemente von Unverschämtheit“, erklärte Putin. Die beste Antwort auf den Brief sei ein Aufruf an das russische Militär: „An die Arbeit, Brüder!“ Putin erklärt immer wieder, dass die russischen Kriegsziele auch durch eine Fortsetzung der Kampfhandlungen erreicht werden könnten, wenn es nicht auf diplomatischem Weg gehe.
Tags zuvor hatte Selenskij Putin für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges direkte Friedensgespräche in einem Drittstaat angeboten. In dem Schreiben spielte der 48-Jährige unter anderem auf das hohe Alter des 73-jährigen Kremlchefs an und betonte jüngste ukrainische Erfolge bei Drohnenschlägen auf Ziele im russischen Hinterland.
Ukrainische Drohne explodiert im rumänischen Hafen Constanța
Die Behörden in Constanța gaben Alarm und veranlassten die Räumung des Hafens am Schwarzen Meer, nachdem die Seedrohne entdeckt worden war. Die Explosion erfolgte, als das rumänische Militär dabei war, sie unschädlich zu machen, hieß es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums.
Drohnen dieser Art würden sich selbst in die Luft sprengen, wenn sie die Verbindung zu ihrem Drohnen-Operator verlieren, zitierte die Nachrichtenagentur Mediafax einen Militärexperten. Durch die Explosion entstanden Schäden an einer Lagerhalle und an einem Schiff, sagte der Präfekt des Kreises Constanța, Adrian Picoiu, zu Mediafax.
In der Vergangenheit waren des Öfteren russische Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen. Beim bisher schwersten Zwischenfall schlug eine von ihnen in einem Wohnhaus in Galați nahe der ukrainischen Grenze ein. Sie löste einen Brand aus, zwei Bewohner erlitten Verletzungen. Mehrfach fielen seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine Trümmer russischer Drohnen auf rumänisches Territorium.
Russland und die Ukraine tauschen je 185 Gefangene aus
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bestätigte die Rückkehr von 185 ukrainischen Soldaten. Daneben sei auch ein Zivilist freigekommen, schrieb Selenskij auf Telegram. Einige der Rückkehrer waren seinen Angaben nach seit 2022 in russischer Gewalt.
Immer wieder tauschen Russland und die Ukraine Kriegsgefangene miteinander aus. Es ist das einzige Feld, in dem der Dialog zwischen den beiden Konfliktparteien mehr als vier Jahre nach Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs funktioniert. Die vorherige Runde fand am 15. Mai statt, als die beiden Kriegsgegner einander jeweils 205 gefangene Soldaten übergaben.
Nach Angebot an Putin: Europäer planen Treffen mit Selenskij
Zu Selenskyjs Brief an Putin sagte Macron: „Ich glaube, dass es heute die Ukraine und Russland sind, die sowohl einen Waffenstillstand als auch einen Friedensplan ausarbeiten können.“ Die Europäer könnten dabei helfen, da sie mit großem Abstand die wichtigsten Unterstützer der Ukraine seien. Zudem seien es die Europäer, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bei den Gesprächen über einen Friedensplan mit am Tisch sitzen müssten, weil es dabei angesichts der geografischen Lage um eine Friedens- und Sicherheitsarchitektur für Europa gehe. „Deshalb halte ich das für eine gute Initiative“, sagte er.
Selenskij hatte Putin am Donnerstag in einem offenen Brief direkte Friedensgespräche angeboten. Als Antwort erneuerte der Kreml bislang nur sein Angebot für Verhandlungen in Moskau und die Forderung nach einer vollständigen Kontrolle der ukrainischen Donbass-Region als Voraussetzung für einen Frieden. Solche Vorschläge hatte Selenskij zuvor schon mehrfach abgelehnt.
Ukraine: Angriff auf Schiffe in russisch besetzten Gewässern
Das aserbaidschanische Außenministerium teilte auf Medienanfragen mit, dass bei einem Drohnenangriff auf die Frachtschiffe „Natra“ und „Zirkon“ in der Bucht von Taganrog im Asowschen Meer fünf Aserbaidschaner getötet wurden. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. Auf den beiden Schiffen würden sich insgesamt 25 aserbaidschanische Staatsbürger befinden. Das Ministerium stellte jedoch klar, dass die Schiffe nicht zu Aserbaidschan gehörten.
Das Asowsche Meer ist Teil des Schwarzen Meeres, mit dem es über die Straße von Kertsch verbunden ist. Anrainer des Asowschen Meeres sind die Ukraine und Russland. Allerdings hat die Ukraine seit der russischen Invasion keinen Zugang mehr zur Küste.
Bundesregierung begrüßt Selenskij-Brief an Putin
Die Bundesregierung begrüßt den Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij an den russischen Staatschef Wladimir Putin. Es brauche jetzt aufseiten Russlands eine „ernsthafte Bereitschaft“, Verhandlungen über einen Frieden aufzunehmen, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Diese sei allerdings nicht in Sicht. Klar sei auch, dass an solchen Gesprächen auch Europa und die USA beteiligt sein müssten, erklärte der Sprecher. In dem Brief schlägt Selenskij ein persönliches Treffen mit Putin vor, um über einen Frieden zu verhandeln.
Tote nach russischem Angriff nahe Kiew
Bei einem russischen Drohnenangriff sind im Kreis Browary nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens vier Menschen getötet worden. Sieben weitere seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Kiew, Mykola Kalaschnyk, bei Telegram. Russland habe ein Unternehmen der Lebensmittelindustrie attackiert. Bei den Opfern handelt es sich demnach um Mitarbeiter. Teile des Gebäudes seien zerstört, es sei zu einem Brand gekommen, schrieb Kalaschnyk. Unter den Trümmern könnten sich noch zwei weitere Menschen befinden.
Internationale Atomenergiebehörde: Feuerpause nahe AKW Saporischschja für Reparaturen
Das AKW mit seinen sechs Reaktoren ist das größte Europas. Im März 2022, kurz nach Beginn der groß angelegten russischen Invasion der Ukraine, brachten russische Truppen das Atomkraftwerk unter ihre Kontrolle. Immer wieder gab es rund um das nahe der Front gelegene AKW Kämpfe, auch auf dem Gelände selbst schlugen wiederholt Geschosse ein und verursachten Schäden. Das AKW ist aus Sicherheitsgründen nicht in Betrieb. In der Anlage befindet sich allerdings radioaktives Material.

