Saudi Aramco: Irankrieg kostet Milliarden – Aktie legt dennoch zu
Ölkonzern
Irankrieg kostet Saudi Aramco Milliarden – warum die Aktie trotzdem steigt
Produktionsausfälle und Schäden an der Infrastruktur setzen Saudi Aramco massiv zu. Doch Investoren zeigen sich unbeeindruckt – und treiben den Kurs nach oben
Schon Anfang März beschrieb der Chef von Saudi Aramco, Amin Nasser, den Irankrieg „als größte Krise“, die die Branche in der krisenerprobten Golfregion je erlebt habe. Sein eigenes Unternehmen, der weltgrößte Ölförderer, musste die Produktion um fast 40 Prozent zurückfahren. Aramcos wichtigste Exportroute durch die Straße von Hormus ist inzwischen seit fast zwei Monaten blockiert. In mehreren Ölfeldern, Raffinieren und anderen Anlagen des Konzerns verursachten iranische Raketen und Drohnen schwere Schäden. Aramcos volle Förderkapazität wiederherzustellen, könnte Jahre dauern und wird Milliarden von Dollar kosten.
Ein Blick auf die Kursentwicklung der Aramco-Aktie allerdings scheint eine ganz andere Geschichte zu erzählen: Am ersten März, dem ersten Handelstag nach Kriegsbeginn, legte der Kurs um mehr als drei Prozent zu, während die Börsen in der Golfregion und weltweit mehrheitlich Verluste verbuchten. Inzwischen mehr als acht Wochen nach Kriegsbeginn liegt die Aktie des hart getroffenen Unternehmens etwa neun Prozent im Plus.
Zu Beginn des Kriegs erschien es noch möglich, dass Saudi Aramco zu den Profiteuren des Konflikts gehören könnte. Das Unternehmen verfügt über mehrere große Öllager im Ausland. Mit diesen Reserven konnte es Engpässe durch die Blockade der Straße von Hormus für mehrere Tage ausgleichen. Zudem hat Saudi-Arabien eine Pipeline, mit der es immerhin einen Teil seiner Ölproduktion vom Persischen Golf zu seiner Westküste am Roten Meer pumpen und von dort exportieren kann. Weil der Ölpreis auf dem Weltmarkt in die Höhe schoss, konnte Aramco in den ersten Tagen des Kriegs Zusatzeinnahmen von geschätzt hunderten Millionen Dollar pro Tag verbuchen.
Gewinnplus im ersten Quartal erwartet
Durch diesen Effekt und aufgrund der schon vor Kriegsbeginn relativ hohen Ölpreise dürfte Aramco laut Analysten im ersten Quartal dieses Jahres deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn verbucht haben. Die offiziellen Zahlen dazu wird das Unternehmen erst im Mai veröffentlichen.
Doch inzwischen hat sich das Bild grundlegend verändert. Die Ölreserven im Ausland sind längst aufgebraucht. Die saudische Ost-West-Pipeline, über die Aramco selbst im besten Fall nur etwa zwei Drittel seines Vorkriegsvolumens exportieren kann, wurde bei einem Luftangriff des Iran beschädigt, wie mehrere andere Anlagen des Konzerns auch. Inzwischen dürfte das Unternehmen trotz der weiter hohen Ölpreise tägliche Einbußen in Millionenhöhe verzeichnen im Vergleich zum Niveau vor dem Krieg.
Je länger die Blockade der Straße von Hormus andauert, desto mehr könnte der bislang profitabelste Konzern der Welt in finanzielle Probleme geraten. Im vergangenen Jahr hatte Aramco einen Gewinn von mehr als 93 Mrd. Dollar ausgewiesen. Vor Beginn des Irankriegs hatte es so ausgesehen, als würde diese Zahl 2026 deutlich höher ausfallen. Allerdings ist dieser Mega-Gewinn bereits größtenteils verplant. Aramco hat angekündigt, 2026 eine Dividende von 87,5 Mrd. US-Dollar auszuzahlen. Anders als andere börsennotierte Unternehmen kann Aramco diese Auszahlung in Krisenzeiten nicht einfach zusammenstreichen. Für den Hauptaktionär, den saudischen Staat, der 97,5 Prozent der Anteile besitzt, ist die Aramco-Dividende eine unverzichtbare Einnahmequelle. Kürzungen sind kaum vorstellbar. Eher könnte es dazu kommen, dass Aramco zusätzliches Kapital aufnehmen muss.
Im Aktienkurs spiegelt sich dies allerdings nicht wider. Berichten zufolge verkauften zwar ausländische Investoren in den ersten Kriegswochen saudische Aktien in Milliardenwert. Die Lücke wurde allerdings in heimischen Institutionen mehr als gefüllt. So kauften etwa der Staatsfonds PIF und Pensionsfonds im Rahmen einer laut Bloomberg-Informationen politisch koordinierten Aktion massiv zu, um den saudischen Aktienmarkt zu stützen. Auch Privatinvestoren mit Verbindung zum Königshaus beteiligten sich demnach.

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Ob diese Investoren einen Kursrutsch bei Aramco dauerhaft verhindert oder nur kurzfristig aufgeschoben haben, wird davon abhängen, ob die Straße von Hormus bald wieder geöffnet wird für Aramcos Öl oder aber die Kampfhandlungen wieder aufgenommen und weitere Anlagen des Konzerns beschädigt werden.
Der Beitrag ist zuerst bei ntv.de erschienen. Das Nachrichtenportal gehört wie Capital zu RTL Deutschland.
