Europa muss in Iran-Krise „schneller werden“


Schaltgespräch mit Omid Nouripour.

Bundestagsvizepräsident Nouripour bereist die Golfregion: Die Staaten fühlen sich durch Iran existenziell bedroht. Europa reagiere nur, statt eigene Initiativen zu ergreifen.

27.04.2026 | 5:28 min


Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour hat auf ein proaktives Engagement der europäischen Staaten zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs gedrängt. Im ZDFheute journal sagte Nouripour, dazu müsse es auch Kooperationen mit den Golfstaaten geben. Der Grünen-Politiker führt derzeit Gespräche in der Region, die besonders stark von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges getroffen wird.

Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Nouripour über…

… die Haltung der Golfstaaten zum Iran-Krieg

Die Staaten der Golfregion seien „in höchster Sorge“, sagte Nouripour. Fast alle seien „ohne jegliche Beteiligung“ vor allem von Iran in den Konflikt hineingezogen worden. Auf die Vereinigten Arabischen Emirate seien über 2.500 Raketen und Drohnen geflogen, auf Saudi-Arabien ungefähr 1.500.

„Die Länder fühlen sich existenziell bedroht und deshalb hoffen sie in erster Linie, dass der Waffengang jetzt zum Ende kommt und dass das irgendein Ergebnis gibt“, sagte Nouripour mit Blick auf die stockenden Verhandlungen zwischen den USA und Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

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„Aber natürlich wollen sie auch, dass die internationale Schifffahrt nicht vom Iran privatisiert wird“, so der Bundestagsvize weiter. Derzeit blockieren sowohl Iran als auch die USA die für den internationalen Handel wichtige Straße von Hormus. „Es gibt hier Länder, die verlieren eine halbe Milliarde am Tag, weil die Situation so ist, wie es ist“, sagte Nouripour. Diese würden „überlegen, ob sie nicht neue Wege gehen, neue Infrastruktur aufbauen, um die Straße von Hormus auf Dauer weniger relevant zu machen“.

Auch würden die Golf-Staaten Nouripour zufolge hoffen, „dass es eine Möglichkeit gibt, mit dem Iran in Frieden zu leben“. Es gebe jedoch „höchste Zweifel, die man nachvollziehen kann“, ob dies mit dem aktuellen iranischen Regime gelingen könne.

… die Handlungsoptionen für Europa

Es mache ihn „rasend“, dass die Europäer nur reagieren würden und sich nicht aktiv einbrächten.

Es ist richtig, wir sitzen nicht am Verhandlungstisch. Aber ich sehe auch nicht eine Initiative, die dazu führt, dass wir wenigstens in den Raum zurückkommen.

Omid Nouripour (Grüne), Bundestagsvize

Eine erste Initiative von Großbritannien und Frankreich sei zu begrüßen, „aber wir müssen alle miteinander schneller werden, wenn wir überhaupt noch eine Rolle spielen wollen“.

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Nouripour erinnerte daran, dass es die Golfstaaten gewesen seien, die Deutschland in der Energiekrise nach der russischen Vollinvasion in der Ukraine im Jahr 2022 geholfen hatten. „Und jetzt sitzen sie da und sagen: Wo bleibt denn eigentlich eure Hilfe?“

Das gemeinsame Interesse der freien internationalen Schifffahrt stellte Nouripour über Konfliktthemen, die es mit diesen Staaten durchaus gebe. Es gelte nun, zu „überlegen, wie man helfen kann, wie man die Regeln so tatsächlich verteidigen kann, dass wir alle was davon haben“. Auch den Luftverkehr, der wegen Kerosinmangels unter Druck steht, gelte es im Dialog mit den Golfstaaten zu „retten“.

Konkrete Vorschläge machte Nouripour dabei nicht. Er verwies darauf, dass zunächst gemeinsam europäische Wege erdacht und diese dann „auch noch in Verhandlungssituationen mit den Amerikanern und mit den Golfstaaten“ auf den Weg gebracht werden müssten. Doch er betonte:

Es muss nicht eine Fregatte sein. Es gibt so viel anderes, was man zusammen tun kann, damit wir die Welt ein bisschen ruhiger und friedlicher machen.

Omid Nouripour (Grüne), Bundestagsvize

… die Verhandlungen in Pakistan

„Relativ deutlich“ sei der allgemeine Eindruck in der Golfregion: „Die Iraner fühlen sich als die Sieger, obwohl sie massiv geschwächt sind.“ Die iranische Führung habe das Gefühl, bei den Verhandlungen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad „die Preise dominieren und diktieren“ zu können.

Das Interview im heute journal führte Marietta Slomka. Zusammengefasst hat es Torben Heine.

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Grafiken

Quelle: ZDF

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 27.04.2026 ab 21:45 Uhr.



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