Ein Ergebnis als Denkzettel – auch für Berlin
In Hamburg sagt man „Nein“ zu Olympia – und das nach 2015 nun schon zum zweiten Mal. Am Sonntag sprachen sich rund 55 Prozent der Hansestädter bei einem Referendum gegen eine Bewerbung für Olympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 aus.
Das Ergebnis ist in seiner Deutlichkeit ein klares Statement und eine Stärkung für die NOlympia-Bewegung in ihrer Gesamtheit. Denn auch in Berlin dürfte man das Votum mit großem Interesse zur Kenntnis genommen haben.
Zwar gibt es in der Hauptstadt keine Bürgerbefragung seitens des Senats, dafür haben die Olympia-Gegner ein Volksbegehren gestartet, an dessen Ende ein Volksentscheid stehen soll. Man muss kein Prophet sein, dass das Hamburger Ergebnis alle Skeptiker des weltgrößten Sportevents beflügeln wird.
Gleichzeitig ist es ein Warnsignal für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Der hatte nach den klaren Referenden für eine Bewerbung in München und Rhein-Ruhr schon eine breite Zustimmung für Olympia in ganz Deutschland erkennen wollen. Doch dem ist ganz offensichtlich nicht so.
Hamburg ist damit aus dem Rennen, aber das Ergebnis vom Sonntag hat auch Folgen für die Berliner Ambitionen. Denn was die Olympia-Gegner in einer Großstadt geschafft haben, könnte sich in einer anderen durchaus wiederholen. Und dann droht dem DOSB möglicherweise der Worst Case.
Man stelle sich nur vor, die Mitgliederversammlung spricht sich im September für Berlin aus, danach aber stimmt die Bevölkerung des designierten Olympia-Bewerbers doch noch gegen die Spiele. Deutschland stünde plötzlich blank da und hätte die Chance auf die erste Austragung nach 1972 verspielt.
Deshalb ist die Niederlage der Befürworter von Olympischen Spielen in Hamburg in gewisser Weise auch ein Stimmungskiller für die Berliner Kandidatur. Denn ein „Ja“ für eine solche Bewerbung ist in Deutschland eben doch nicht überall ein Selbstläufer.
Der DOSB mit seinen Fachverbänden könnte sich nun erst recht dazu bemüßigt fühlen, auf Nummer sicher zu gehen und entweder mit München oder Rhein-Ruhr international ins Rennen ziehen. Denn was nutzt alle Strahlkraft von Berlin, wenn am Ende die Menschen die Spiele hier gar nicht wollen?
Dieser 31. Mai hat gezeigt, wie stark die Skepsis gerade in Ballungsräumen sein kann, wenn es um Megaprojekte geht. Klar ist auch: NOlympia ist nicht nur laut und schrill, sondern auch mächtig und kann mobilisieren.
Was für Hamburg das Aus bedeutet, ist für Deutschlands Olympia-Träume zunächst nur ein Dämpfer. Allerdings einer, der nachhallen dürfte. Insbesondere auch in Berlin.
