So funktioniert der Bildungspass anderswo
Lange Wartezeiten bei der Bearbeitung von Förderungen durch das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) sorgen in Potsdam für Probleme. Die Arbeiterwohlfahrt kritisiert das Vorgehen der Stadt und fordert die Einführung einer Lösung mit Karte oder App, um das Antragsverfahren zu vereinfachen und die Bearbeitung zu beschleunigen. Die Stadt prüft dies nach eigenen Angaben und steht aktuell im Austausch mit Gemeinden, die diese Lösung bereits umgesetzt haben.
Doch wie funktioniert der Bildungspass eigentlich in Städten, die ihn bereits haben? Und welche Vorteile ergeben sich dadurch für Antragsteller? Städte wie Berlin, Magdeburg und Leipzig haben die Lösung bereits umgesetzt – mit unterschiedlichen Ansätzen.
In Berlin setzt man seit 2018 auf eine kombinierte Kartenlösung. Mit dem „berlinpass“ erhalten Berliner mit geringen Einkommen beispielsweise vergünstigte Tickets für den öffentlichen Nahverkehr und ermäßigten Eintritt bei städtischen Kultureinrichtungen. Für Kinder, die förderungsberechtigt nach dem BuT sind, gibt es den berlinpass-BuT, der diese Vorteile mit einigen Aspekten des Teilhabepakets kombiniert. Einzig die Förderung von Nachhilfe muss in Berlin noch zusätzlich beantragt werden.
Magdeburg hat 2021 ein ähnliches Modell eingeführt. Hier wurde der Stadtpass für einkommensschwache Bürger der Stadt mit den Leistungen des BuT zur Otto-City-Card kombiniert. Ähnlich wie in Berlin gibt es vergünstigte Nahverkehrstickets, Eintritt zu Kulturangeboten der Stadt, Erlass der Kitakosten und eine Vergünstigung bei der Hundesteuer. In der sachsen-anhaltinischen Hauptstadt können alle Leistungen des BuT mit dieser Karte wahrgenommen werden, inklusive Lernförderung.
Mehr Transparenz durch Digitalisierung
Laut der Stadt Magdeburg ging mit der Digitalisierung des Angebots nicht nur für Förderungsberechtigte, sondern auch für Anbieter eine Vereinfachung einher. Denn diese können nun alle Rechnungen und Transaktionen in einem Online-Portal einsehen. Eltern können in ihrem Account jederzeit ihre Bewilligungszeiträume und Guthaben prüfen. Dies wiederum entlastet die Verwaltung, da weniger Anfragen zu diesen Themen beantwortet werden müssen.
Auch die Stadt Leipzig setzt auf ein Online-Portal, über das die Anbieter die bewilligten Leistungen einsehen und die ihnen zugewiesenen Beträge abbuchen können. Die Kinder müssen dann nur noch die Karte vorzeigen, um die entsprechenden Leistungen in Anspruch zu nehmen. Leipzig hat eine Bildungskarte, die bisher nicht mit dem Leipzig-Pass – wie hier die Karte für einkommensschwache Einwohner heißt – kombiniert wurde. Die Bildungskarte deckt bislang nur Mittagsverpflegung und Lernförderung ab.
Unter anderem haben auch Schwerin, Bremen, Offenbach und Bielefeld vergleichbare Lösungen umgesetzt. Auch einzelne Landkreise wie der Kreis Unna in Nordrhein-Westfalen setzen auf die Kombination aus Karte und Onlinekonto. In Hannover prüft die Stadt, wie in Potsdam, die Einführung einer entsprechenden Lösung.
