Mit dem Rauchen aufhören: Krankenkassen bezahlen Nikotinersatz


Eine Frau entfernt ein Nikotinpflaster von ihrem Arm.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Medikamente zur Rauchentwöhnung, zum Beispiel für Nikotinpflaster.

Quelle: Imago / Depositphotos


In Deutschland raucht laut Statistischem Bundesamt aktuell knapp ein Fünftel der Bevölkerung. Vier Versuche braucht jeder Raucher im Schnitt bis zum Nichtraucher. Individuelle Faktoren wie die Stärke der Nikotinabhängigkeit spielen bei der Rauchentwöhnung eine große Rolle. Hilfreich kann hier die Unterstützung durch Medikamente sein.

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Seit vergangenem Sommer übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Medikamente zur Rauchentwöhnung. Dazu gehören Nikotinpflaster und -kaugummis sowie Tabletten mit dem Wirkstoff Vareniclin. Grundlage dafür ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der festlegt, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen.


Unterschiedliche Wirkmechanismen bei Nikotinpflaster und Tablette

Nikotinpflaster geben eine bestimmte Menge Nikotin langsam und kontinuierlich über die Haut ab. So bleibt der Nikotinspiegel im Körper stabil, was Entzugssymptome deutlich vermindern kann. Die Dosis wird schrittweise reduziert, um den allmählichen Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit zu ermöglichen.

Tabletten mit dem Wirkstoff Vareniclin besetzen die Nikotin-Rezeptoren im Gehirn. Das Verlangen nach Nikotin wird schwächer. Das Therapiekonzept sieht vor, dass man zu Beginn der Behandlung weiter raucht. Da die Nikotin-Rezeptoren bereits von Vareniclin besetzt sind, findet die Zigarette keinen Platz mehr im Gehirn, erklärt Pneumologe Matthias Krüll.

Durch den Wirkstoff wird der Belohnungseffekt durch Nikotin abgeschwächt und das positive Gefühl vom Rauchen bleibt aus.

Priv.-Doz. Dr. Matthias Krüll, Lungenfacharzt

Das erleichtert den Rauchstopp deutlich. Für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen gibt es aber einige Bedingungen.

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Voraussetzungen der Kostenübernahme

Raucher benötigen zunächst eine ärztliche Verordnung. Zudem müssen sie eine starke Nikotinabhängigkeit nachweisen. Diese wird mithilfe eines Fragebogens (Fagerström-Test) festgestellt. Eine weitere Bedingung ist die Teilnahme an einem zertifizierten Entwöhnungsprogramm.

Die Kostenübernahme gilt zunächst für drei Monate, kann aber bei Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung verlängert werden. Ist die Behandlung einmal abgeschlossen, übernehmen die Krankenkassen frühestens nach drei Jahren erneut die Kosten für die Medikamente.

Auf dem Foto ist ein Aschenbecher mit einer Zigarette zu sehen.

Wie wirksam sind Nikotinpflaster und Tabletten

Studien zeigen, dass Raucher mit beiden Mitteln eine höhere Chance haben, Nichtraucher zu werden, als ohne Hilfsmittel. Gegenüber einer Placebo-Behandlung steigt die Wahrscheinlichkeit nach sechs Monaten rauchfrei zu sein mit einem Nikotinpflaster um rund 50 Prozent, mit Tabletten um etwa 130 Prozent.

Die Präparate sind die wichtigste Säule zum Rauchstopp überhaupt geworden.

Priv.-Doz. Dr. Matthias Krüll, Pneumologe

Viele Betroffene kommen so dem Rauchstopp ein Stück näher.

Jährlich sterben in Deutschland rund 125.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, auch durch Passivrauchen. Jede Zigarette schädigt Gefäße, Lunge und Immunsystem. Rauchen erhöht unter anderem die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt sowie für verschiedene Krebsarten, Asthma und COPD deutlich. Daneben verursacht das Rauchen auch Folgekosten, die die Gesellschaft tragen muss, etwa Behandlungskosten für Krankheiten und Frühverrentungen.


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Welche Nebenwirkungen auftreten können

Der Entzug von Nikotin kann zu Unruhe, Schlafproblemen und/oder Herzrasen führen. Durch Tabletten und Nikotinpflaster können zahlreiche Nebenwirkungen hinzu kommen, zum Beispiel Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden.

Nikotinpflaster können außerdem die Haut reizen. Die Nebenwirkungen sind in der Regel vorübergehend. Demgegenüber stehen die möglichen schweren gesundheitlichen Folgen des Rauchens.

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So gelingt der Rauchstopp

Studien zeigen: Erfolgversprechend ist eine Rauchentwöhnung, wenn verschiedene Therapiebausteine kombiniert werden, zum Beispiel Medikamente mit einer digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA), Verhaltenstherapie oder Gruppenkursen.

Seit die Krankenkassen die Kosten für Nikotinpflaster und Tabletten übernehmen, steigt die Nachfrage nach verpflichtenden Kursen zur Rauchentwöhnung. Für Pneumologe Matthias Krüll ist das ein positives Zeichen.

Veranstalter von Entwöhnungskursen gehen davon aus, dass in Zukunft mehr Menschen versuchen, von der Zigarette wegzukommen. Dass die Krankenkassen eine dreimonatige Therapie mit Medikamenten zahlen, könnte dafür ein Anreiz sein.

Methoden zur Rauchentwöhnung




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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 11.05.2026, ab 05:30 Uhr.



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