Düstere Stimmung in Iran nach drei Monaten Krieg
Drei Monate nach Beginn des Iran-Kriegs ist die Stimmung im Land düster. Die Hoffnung auf einen Regimewechsel ist verflogen, der Druck der Herrscher auf die Bevölkerung massiv. Und dazu kommen große wirtschaftliche Sorgen.
„Wir haben Krieg erlebt und darunter gelitten“, ruft jemand und die Menge antwortet im Chor: „Wir werden unser Uran nicht abgeben.“ Sogar die in den Verhandlungen mit den USA umstrittenen Uran-Vorräte Irans scheinen zu einer Frage der Ehre geworden zu sein. Die Szene steht beispielhaft für das, was auf Irans Straßen allabendlich passiert: Obwohl sie in der Minderheit sind, kontrollieren Anhänger des Regimes die Öffentlichkeit.
Wer das Regime kritisch sieht, so wie die frühere Krankenpflegerin Marmar, zieht sich dagegen immer weiter zurück. Als Rentnerin sei sie ohnehin meistens zu Hause, sagt sie. Und Gespräche und Diskussionen mit anderen würden ja doch nichts an ihrem Leben ändern oder ihre Probleme lösen: „Niemanden auf der Welt kümmern unsere Probleme. Deshalb habe ich mich zu Hause eingeigelt.“
Ungewissheit und düstere Aussichten
So geht es vielen. Die Probleme liegen auf ihnen wie Mehltau. Der Schneider Mehdi beschreibt, wie sehr ihn die Situation in seinem Land bedrückt und sein Leben verändert. Früher, da habe er mit Freunden Ausflüge in die Berge gemacht. Aber das mache er schon lange nicht mehr. „Ich habe auch keine Lust mehr, Musik zu machen auf meiner Daf, der Rahmentrommel. Früher hatten wir Spaß zusammen, und da habe ich gespielt.“
Am meisten belaste ihn der wirtschaftliche Verfall, sagt Mehdi – der des Landes und damit sein eigener. Er habe kaum mehr Aufträge – wer braucht schon einen Schneider, wenn sich das Leben aufzulösen scheint.
Ali geht es genauso. Er ist 50, betreibt einen Friseursalon. Doch jetzt blieben die Kunden aus. Wirtschaftlich werde es immer schlimmer, sagt er: „Wir stehen unter dem Druck der permanent steigenden Preise. Alle Materialien, Geräte und was ich sonst im Laden brauche, alles wird immer teurer. Wir haben keine andere Wahl, als die aktuellen Umstände zu ertragen. Und die Zukunft ist ungewiss.“
Protest? Kaum jemand traut sich
Immerhin steigen die Preise etwa für Strom, Gas und Benzin so gut wie nicht an. Vermutlich ist das eines der letzten Zugeständnisse des Regimes an die Iranerinnen und Iraner – aus Eigeninteresse. Denn gerade steigende Benzinpreise waren in Iran schon Auslöser von Protesten.
Dabei würde sich derzeit kaum jemand trauen zu protestieren. Die meisten Menschen sind eingeschüchtert. Fast täglich kommen Berichte über Hinrichtungen, meistens Krimineller, aber eben auch von Regimegegnern.
Am schwersten wiegt für viele jedoch die Ungewissheit. „Es gibt weder Krieg noch Frieden“, sagt Lebensmittelhändler Reza. Niemand wisse, was morgen sei.
Keine Hoffnung mehr auf Regimewechsel
Die noch zu Kriegsbeginn Ende Februar vorhandene Hoffnung auf einen Regimewechsel ist längst der auf ein nur halbwegs normales Leben gewichen. Und selbst das, so Reza, sei nicht Sicht: „Die wirtschaftliche Lage ist so düster. Wir wissen nicht, was wir in Zukunft tun sollen.“
Immerhin bahnte sich nach Pfingsten etwas Erleichterung an. Präsident Massud Peseschkian ließ die Internetblockade aufheben. Das ist vielen privat wichtig – aber auch vielen, die über das Internet arbeiten.
Doch es gibt Gegner der Lockerung. Möglicherweise wird sie gerichtlich einkassiert.

