Trump forderte Freilassung von Aktivisten
US-Präsident Donald Trump hat es doch nicht versäumt, bei seinem Gespräch mit Chinas Staatschef Xi Jinping die Menschenrechtssituation in China anzusprechen. Nach seinen Angaben habe er zwei Fälle zum Gespräch gebracht: den inhaftierten Pastor Ezra Jin Mingri und den Gewinner des DW Freedom of Speech Award 2026, Jimmy Lai.
Jin war der Gründer der evangelischen Zionskirche in Peking. Sie gilt als eine der größten Untergrundkirchen Chinas, die staatlich nicht anerkannt sind. In China stehen alle christlichen Gemeinden unter staatlicher Aufsicht. 2025 wurde der 57-Jährige wegen „illegaler Online-Aktivitäten“ verhaftet. Er soll online religiöse Inhalte verbreitet und gepredigt haben.
Der Hongkonger Medienmogul Lai wurde im Februar 2026 wegen „Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften und Aufruhr“ von einem Hongkonger Gericht zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er war Unterstützer der Demokratiebewegung in Hongkong und Eigentümer der inzwischen eingestellten pro-demokratischen Zeitung „Apple Daily“.
Nach Aussagen von Trump von letzter Woche habe Xi erklärt, dieser werde den Fall des Pastors „ernsthaft prüfen“. Trump wies ebenfalls darauf hin, dass sein chinesischer Amtskollege den Fall Lai als „schwierig“ bezeichnet habe, wobei Trump zugab, er sei diesbezüglich „nicht optimistisch“.
„Wir sind sehr dankbar, dass der US-Präsident meinen Vater bei einem so bedeutenden Treffen angesprochen hat“, sagt Grace Jin Drexel, die Tochter von Pastor Jin, gegenüber der DW. Sie lebt derzeit im US-amerikanischen Exil. Auch Lais Tochter, Claire Lai, dankte der Trump-Regierung „für ihren Einsatz für die Freilassung meines Vaters“.
Schweige im Walde
Bisher sind dies die einzigen Details aus dem Gespräch zwischen Trump und Xi über die Menschenrechtssituation in China, die an die Öffentlichkeit gelangten. „Seitdem haben wir kein Update erhalten“, sagt Jin Drexel. „Ich vertraue darauf, dass die US-Regierung die Angelegenheit weiterverfolgt.“
Da Trump Xi im September ins Weiße Haus eingeladen hat, sehen Interessenverbände diesen bevorstehenden Besuch als Chance, den chinesischen Staatschef zur Freilassung politischer Gefangener aufzufordern.
„Wir in der Aktivistengemeinschaft richten unser Augenmerk stark auf Xis Besuch in den USA“, sagt Mark Clifford, Präsident des Committee for Freedom in Hong Kong und ehemaliger Direktor von Lais Medienverlag Next Digital, gegenüber der DW. „Obwohl Trump versucht hat, die Erwartungen herunterzuspielen, hat er nie gesagt, dass es unmöglich sei.“ Anträge auf öffentliche Demonstrationen bei Trumps Besuch in Peking hatten überhaupt keine Chancen auf Erfolg. Dagegen sind Protestaktionen beim geplanten Xis Besuch in Washington gegen Auflagen möglich.
Jins Familie „vorsichtig optimistisch“
Seit Oktober 2025 sitzen Jin und 17 weitere Mitglieder seiner Zionskirche in Untersuchungshaft. Jin Drexel sagt, ihrem diabeteskranken Vater gehe es im Gefängnis nicht gut. Nach dem positiven Signal aus dem Weißen Haus bleibe sie „vorsichtig optimistisch“, dass sein Vater bald freikommt. „China ist historisch gesehen ein sehr schwieriges Land, was die Freilassung der Gewissensgefangenen angeht“, räumt sie ein. Laut Drexel hat der inhaftierte Pastor den chinesischen Behörden mitgeteilt, dass er bereit sei, in der Kirche zurückzutreten und in die USA zu ziehen, falls er freigelassen würde.
Jin Drexel habe allerdings keine Informationen über die anderen inhaftierten Kirchenmitglieder. „Im Idealfall gibt es, wenn mein Vater freigelassen wird, keinen Grund, warum die anderen ebenfalls im Gefängnis bleiben sollten“, sagt sie.
Lais Anhänger wollen Gefangenenaustausch
Seit der Inhaftierung des 78-jährigen Lai 2020 hat US-Präsident Trump nach eigenen Angaben bei Xi zweimal den Fall angesprochen – das letzte Mal am Rande des APEC-Gipfeltreffens in Südkorea. „Ich sehe, dass dieses Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt“, sagt Lais Anhänger Clifford. „Es wird nicht verschwinden, und der September ist das nächste Ziel.“
Lai könnte Teil eines Gefangenenaustauschs sein, hofft Clifford. Er verglich Lais Fall mit dem von Meng Wanzhou, Topmanagerin und Tochter des Gründers des chinesischen Telekommunikationsgiganten Huawei. Sie entging nach der Festnahme in Kanada 2021 einer Auslieferung an die USA. Ihre Entlassung wurde als De facto-Austausch gegen zwei in China inhaftierte Kanadier angesehen. Allerdings bestritt Peking, dass die drei Fälle miteinander in Verbindung gestanden hätten. Auch unter Trumps Vorgänger Joe Biden habe zwischen China und den USA im Jahr 2024 Gefangenenaustausch 2024 stattgefunden, sagt Clifford.
Aleksandra Bielakowska von der Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ sieht Xis Besuch in Washington im September als eine Chance an. „Die US-Regierung wird tun, was sie verspricht. Sie kann dabei nicht allein stehen“, sagt Bielakowska gegenüber der DW. „Da Jimmy Lai britischer Staatsbürger ist, sollte Großbritannien auch mehr tun, um ihn aus dem Gefängnis zu holen.“
Mehr Druck vonnöten
Andere demokratische Länder müssten sich auch für Lai einsetzen, sagt Menschenrechtsanwalt Jared Genser. Er war ehrenamtlicher Rechtsbeistand für den inzwischen verstorbenen Friedensnobelpreisträger und Aktivist Chinas, Liu Xiaobo, und hat weitere chinesische Regimekritiker vertreten. „Wenn wir in solchen Einzelfällen Fortschritte erzielen wollen, muss Xi Jinping von vielen Regierungen konsequent und öffentlich den Druck spüren als nur von den Vereinigten Staaten“, sagt Genser im DW-Interview.
Der Handel sei ein effektiver Hebel der USA und Europas, sagt Bielakowska von Reporter ohne Grenzen. „China wird handeln, wenn es gute Chancen für Geschäfte sieht. Hier spürt China den Druck, denn sie wollen mit Europa und den USA Geschäfte machen. Sie wollen beweisen, dass sie in gewisser Weise ein Partner sind.“
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan
