31. Spieltag der Bundesliga: Heidenheim hofft wieder, Wolfsburg vergisst das Toreschießen – Sport


Herrlichstes Frühlingswetter in deutschen Fußballstadion – und einige dramatische Wendungen, so gestaltete sich dieser Samstag des 31. Spieltags in der Bundesliga. Die Bayern schafften es tatsächlich, in Mainz zwischenzeitlich mit 0:3 hinten zu liegen und doch noch zu gewinnen. Heidenheim schöpfte neue Hoffnung ganz unten, am Rhein jubelte im Derby am Ende Bayer Leverkusen in Köln und der VfL Wolfsburg versäumte wieder einmal das Toreschießen. So bleibt von diesem Spieltag vor allem die Erkenntnis: Es war ganz schön was los, am besten also erst einmal ein Blick auf die Tabelle und die gesammelten Resultate.

Wie sehr rotieren die Bayern vor dem Champions-League-Halbfinale gegen PSG?

Hat hier jemand „Wettbewerbsverzerrung“ gesagt? Acht Neue schickte Meistertrainer Vincent Kompany in Mainz im Vergleich zum Pokal in Leverkusen aufs Feld. Darunter Prominenz wie Alphonso Davies und Leon Goretzka. Aber mit Bara Ndiaye auch einen 18-jährigen Startelf-Debütanten. Schon klar: Der Ligabetrieb ist ja nur noch lockeres Auslaufen, der Fokus liegt längst auf der nächsten Europapokal-Nacht am kommenden Dienstag in Paris. Dorthin sollte es möglichst ohne weitere Verletzte gehen, was für diesen Nachmittag einen Auftritt im Schongang andeutete.

Das nutzten die Mainzer zur Führung durch einen Kullervolley von Dominik Kohr (16.), dem Münchner Schläfrigkeiten vorausgegangen waren. Vieles wirkte unsortiert bei den Bayern, Torwart Jonas Urbig musste mit allen verfügbaren Körperteilen Bälle parieren, und dann konterte die bis dahin fünftbeste Rückrundenelf, wie man es von ihr kennt: Ballverlust Raphaël Guerreiro, Umschaltmoment, am Ende staubte Paul Nebel zum 2:0 ab (29.). Kompany? Ruderte aufgebracht mit den Armen, denn das war so nicht geplant. Schlimmer noch: Er sah noch vor der Pause das 3:0 der Mainzer durch Sheraldo Becker, der nach einem Amiri-Lattentreffer den Fuß hinhielt (45.+2).

Die Einwechslungen von Harry Kane und Michael Olise belebten das Bayern-Spiel, die Konfusion wich ernsthafteren Bemühungen, das 1:3 durch Nicolas Jackson (53.) war die Konsequenz. Und als dann noch Jamal Musiala ran durfte, hatte Kompany endgültig signalisiert: So ganz egal war ihm die Nummer nicht, auch wenn natürlich alle PSG im Kopf hatten. Olises Kopf und vor allem sein linker Fuß sind ohnehin intakt, der Franzose erzielte mit seinem „signature“-Move per Schlenzer das 2:3 (73.). Und weil die Münchner ihren Geist wieder gefunden hatten, gelang es dem umtriebigen Musiala, eine Olise-Vorlage ins Tor zu drücken (81.), ehe Kane nach einem Abpraller zum 4:3 vollstreckte (83.). Die Bayern hatten sich kurz geschüttelt und die Unverfrorenheit dieses Spiels in ein spektakuläres Comeback gewandelt. Und Mainz? War völlig eingebrochen.

Sorgt der FC St. Pauli dafür, dass der 1. FC Heidenheim vorzeitig absteigt?

Nein. Das Team von Trainer Frank Schmidt machte mal wieder seinem Ruf alle Ehre und wehrte sich vorbildhaft. Die Moral stimmt in diesem Außenseiterteam der Liga. Schon nach drei Minuten traf der Georgier Budu Zivzivadze aus einem Gewühl heraus. St. Paulis Andréas Hountondji hatte die Chance auf den Ausgleich, nach einem Konter scheiterte er nur an den Stollen von Torwart Diant Ramaj, der seinen linken Fuß ausgefahren hatte wie eine Klinge. Kurz vor dem Ende traf Heidenheims Eren Dinkçi zum 2:0. Dabei blieb es. Also: kein vorzeitiger Abstieg, im Gegenteil. Mit dem Sieg setzt Heidenheim ein klammheimliches Zeichen im Abstiegskampf. Vier Punkte Rückstand auf St. Pauli (16.) und den Relegationsplatz, das lässt sich in drei Spielen aufholen, sofern die Hamburger weiter schwächeln. Ob sich da ein Rettungswunder anbahnt?

Wie sehr spitzt sich die Lage beim VfL Wolfsburg zu?

Seit neun Spielen wartete Mönchengladbach auf einen Auswärtssieg, für Wolfsburg war dieser Gegner also kein übermächtiger. Wenngleich die Borussia dem VfL eines schon voraushat: Das Team hat sich eigenmächtig nach einer veritablen Krise aus dem Abstiegssumpf hochgezogen, als vor der Partie 13. der Tabelle konnten die Gladbacher entspannt ins Spiel gehen. Und genau dieses Bewusstsein, dass sie weniger zu befürchten hatten, strahlten sie aus. Wobei der VfL seinerseits auch keinen Angstfußball fabrizierte. Mohamed Amoura traf fast ins Tor per feinem Schuss, Gladbachs Torwart Moritz Nicolas lenkte den Ball gerade noch an den Pfosten und ins Seitenaus. Das Tempo blieb hoch, Treffer fielen nicht. Am Ende wurde es hitzig, Gladbachs Jens Castrop kassierte die rote Karte. Das 0:0 ist für Gladbach ein passables Ergebnis, für Wolfsburg nicht. Der VfL verpasste die Chance, den Patzer von St. Pauli in Heidenheim auszunutzen, und bleibt auf Rang 17. Der mögliche Abstieg der Niedersachsen rückt wieder ein Stückchen näher.

Das Rheinderby und die Frage: Wer kommt seinem Saisonziel näher?

Nicht der 1. FC Köln. Nach dem 2:1-Sieg kann dafür Bayer Leverkusen weiter auf die direkte Qualifikation für die Champions League hoffen. Die Werkself erlebte den vor allem glücklicheren Nachmittag. Patrik Schick war der entscheidende Mitarbeiter, der Stürmer traf zweimal. In Halbzeit eins nach einem umstrittenen Hand-Elfmeterpfiff aus elf Metern. Und früh in Halbzeit zwei nach einem Konter. Köln schöpfte zwar noch Hoffnung nach dem Anschlusstreffer durch Luca Waldschmidt, doch man konnte nicht mehr ausgleichen. Deshalb ist das Team nun immer noch nicht final gerettet. Die Lage könnte für den FC sogar noch brenzlig in der Tabelle werden. Wäre ja auch seltsam, wenn es in Köln mal ohne Drama ginge.

Was hat die Partie Augsburg – Frankfurt im Niemandsland der Tabelle zu bieten?

Die Augsburger verdienen größten Respekt, wieder mal haben sie zu 100 Prozent den Klassenerhalt geschafft. Unter den grauen Mäusen im Niemandsland sind sie zweifellos die glanzvollsten grauen Mäuse. Das bekam auch Eintracht Frankfurt zu spüren. Vor der Pause staubte FCA-Mittelfeldmann Anton Kade artistisch zum 1:0 ab, nachdem der Ball zuvor vom Posten abgeprallt und vor seinen Füßen gelandet war. Frankfurt kam dann aber zurück, zumindest für ein Remis reichte es; Ritsu Doan traf zum 1:1.

Rettet sich der Hamburger SV schon – oder geht dem Team die Puste aus?

Letzteres ist offenbar der Fall. Denn der HSV hat seine ernüchternde Serie fortgesetzt. In den vergangenen fünf Spielen verlor der Klub dreimal und spielte nur zweimal remis. Und an diesem Samstag, im Abendspiel der Bundesliga, verlor das Team wieder, mit 1:2 gegen die TSG Hoffenheim. Dabei hatten die Hamburger gut begonnen und waren der Führung nahe. Doch Hoffenheim bewies, warum es sich zurecht weit vorn in der Tabelle befindet. Die erste richtige Chance verwertete Fisnik Asllani per Volleyabnahme im Strafraum (18.). Der HSV ließ nicht locker, und als Robert Glatzel von Keeper Oliver Baumann gefoult wurde, gab es Elfmeter; Glatzel selbst verwandelte zum 1:1 (34.). Vor der Pause brachte Tim Lemperle jedoch wieder die Gäste in Führung. Alle Bemühungen der Hanseaten in der zweiten Halbzeit waren dann vergebens.



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