1,6 Millionen Syrer zurückgekehrt – wenige aus Deutschland
Seit dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) rund 1,63 Millionen Flüchtlinge nach Syrien zurückgekehrt. Bis zum 30. April 2026 kamen laut UN-Flüchtlingshilfswerk fast 640.000 Syrer aus der Türkei, etwa 630.000 aus dem Libanon und rund 285.000 aus Jordanien wieder in ihrem Heimatland an.
Deutschland wird in der Aufstellung des UNHCR nicht einzeln genannt, sondern in einer Gruppe „Sonstige Länder“ mit insgesamt rund 6100 Rückkehrern geführt. Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vom Februar sind allein im vergangenen Jahr 3678 syrische Flüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihr Herkunftsland zurückgekehrt.
Rund 900.000 Syrer leben in Deutschland
Insgesamt leben mehr als 900.000 Syrer in Deutschland. Seit im Dezember 2024 der langjährige Machthaber Baschar al-Assad durch die Islamistenmiliz HTS gestürzt wurde, ist die Zahl der Syrer, die in der Bundesrepublik Schutz suchen, stark gesunken. HTS-Anführer Ahmed al-Scharaa bemüht sich als Übergangspräsident um eine Annäherung an den Westen.
Die Bundesregierung hat zuletzt deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht der Schutzgrund für viele syrische Flüchtlinge mit dem Ende des Bürgerkriegs entfallen ist. Das BAMF kann den Wegfall von Schutzgründen wie eine veränderte Situation im Heimatland in sogenannten Widerrufsverfahren prüfen. Das passiert derzeit bei Syrern aber nicht grundsätzlich, sondern nur nach Verstößen wie unerlaubten Heimreisen oder Straftaten.
BAMF sieht noch keinen Handlungsbedarf
Für die Widerrufsverfahren sei erforderlich, „dass die Veränderung der Lage im Herkunftsland erheblich ist und nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft stattfindet“, zitiert die Zeitung „Welt am Sonntag“ das BAMF. Wann die Lage vor Ort eine Ausweitung der Widerrufsprüfungen zulasse, lasse sich nicht prognostizieren.
Im jüngsten Länderreport des BAMF vom November werde zwar „seit dem Regierungswechsel tendenziell ein stetiger Abwärtstrend der Gesamtzahl an Konfliktvorfällen“ und dadurch Getöteten festgestellt, berichtet die Zeitung weiter. Doch sei die „wirtschaftliche und humanitäre Lage in Syrien weiterhin desolat“.
UN-Flüchtlingshilfswerk mahnt zu Geduld
In der deutschen Debatte über syrische Flüchtlinge hatten sich zuletzt Politiker von SPD, Grünen und Linken dafür ausgesprochen, befristete Heimatbesuche zu ermöglichen, um Perspektiven für eine mögliche Rückkehr auszuloten. Nach geltender Rechtslage riskieren Flüchtlinge den Verlust ihres Schutzstatus, wenn sie in ihr Herkunftsland reisen. Auch über eine Erhöhung der finanziellen Hilfen zur Rückkehr war diskutiert worden. Die Starthilfe beträgt zurzeit maximal rund 1000 Euro pro Erwachsenem.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk betonte die Freiwilligkeit der Rückkehr. Jede Rückkehr sollte auf der Entscheidung der Flüchtlinge beruhen, sagte UNHCR-Sprecherin Eujin Byun in Genf. Sie rief dazu auf, Geduld zu bewahren, bis sich die Lage in Syrien verbessert habe und „eine freiwillige, sichere, würdige und nachhaltige Rückkehr“ möglich sei.
gri/se (dpa, afp, kna)
